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Bargirls
Es gibt nicht wenige Thailand-Besucher, die setzen Pattaya mit Thailand gleich, oder übertragen ihre Erfahrungen die sie dort an den Bierbars gemacht haben auf ganz Thailand. Diese sogenannten “Thailandfreunde" sind in Wirklichkeit “Pattayafreunde”. Sie haben, außer an dem was dort an den Bars abläuft, keinerlei Interesse an Land, Menschen und Kultur. Viele von ihnen glauben, sich nach ein paar Wochen Aufenthalt in den Touristenzentren, ein Urteil über Thailand und die thailändische Bevölkerung anmaßen zu können. Ihr Wissen haben sie von den Bargirls an den unzähligen Bierbars in den Touristenzentren erworben. Das gilt vor allem für die Spätzünder-Casanovas, die trotz ihres für deutsche Frauen bereits abgelaufenem Verfallsdatums ohne weiteres in der Lage sind, an Pattayas Bierbars den Big-Boss zu markieren, und sich von einem jungen Ding verwöhnen zu lassen. Aus dem Eindruck, den die Mädchen auf sie gemacht haben, gewinnen sie dann ihre Meinung über das ganze Land.
Das ständige Lächeln, und auch die Fröhlichkeit und Verspieltheit der Mädchen an den Bars verleiten den Farang zu der Annahme, daß die Thais oberflächlich und leicht manipulierbar seien. In Wirklichkeit sind die Thais aber eines der verschlossensten und schwer durchschaubaren Völker Asiens, anders als ihre Nachbarn, die doch durch ein Jahrhundert Kolonisation dem westlichen Denken viel näher sind.
Die stets vergnügten Bargirls tragen eine Menge dazu bei, daß Thailand in der westlichen Welt einen etwas negativen Ruf bekommen hat. Alle diese Mädchen arbeiten nicht an der Bar, weil sie nicht schlafen können, sondern weil ihnen dies Gelegenheit gibt einen Freier einzufangen. Sie sind aber, ganz anders als die Prostituierten in Europa oder Amerika, nicht auf eine möglichst schnelle Abwicklung des Geschäfts bedacht. Sie werden vielmehr versuchen möglichst lange, am Besten den gesamten Urlaub des Gastes, mit ihm zu verbringen. Das Mädchen ist natürlich lieber mit einem netten Kerl der sie verwöhnt zusammen, als mit einem Rüpel, für den sie nur ein Sexualgegenstand ist. Sie wird aber nie ihr Ziel Geld aus ihm herauszuholen, und zwar soviel wie möglich, aus den Augen verlieren. Aus solch einer längeren Beziehung entsteht dann häufig sogar Liebe. Dies ist allerdings meist auf die Seite des Mannes beschränkt. Er verliebt sich tatsächlich in das sanfte Wesen, das ihn während der Urlaubswochen Tag und Nacht umsorgt und verwöhnt hat, und vergißt, daß es für das Mädchen in erster Linie ein Job ist um Geld zu verdienen. Er ist dann wahnsinnig enttäuscht, wenn er eines Tages aus seinen Träumen gerissen wird und feststellt, daß es sich für das Mädchen nicht um die große Liebe handelte, auch wenn sie ihm das mit “I love you to much” oft beteuert hat.
Die Mädchen an den Bars machen diesen Job freiwillig. Wenn es einen Zwang gibt, dann den des Geldes. Immerhin kann ein Bargirl, wenn sie es richtig trifft, in einer Nacht soviel erzielen, wie sie in ihrem Heimatdorf im ganzen Monat verdienen würde. Fast alle Bargirls kommen aus ärmsten Verhältnissen. Viele haben keine richtige Schulbildung und erst recht keine Berufsausbildung. Fast alle haben Kinder und der Ehemann hat sie verlassen. Sie brauchen Geld, für ihre Kinder und für ihre Familie, bei der die Kinder aufwachsen. Das verdiente Geld schicken sie nach Hause. Wer sich ein bißchen in Pattaya auskennt, der weiß aber auch, daß von den Mädchen an den Bars nur ein geringer Teil soviel verdient, daß sie davon mehr nach Hause schicken können, als zum Lebensunterhalt der Familie erforderlich ist. Nicht einmal jede 10. dürfte einen betuchten Sponsor finden, der soviel Geld rausrückt, daß es für den Bau eines Hauses im Isaan ausreicht.
Wenn man wie wir mit einem deutschen Paß versorgt ist, bedeutet das zumindest eine gesicherte Sozialversorgung für uns und unsere Familie. Aus dieser gesicherten Position heraus nun auf die "unmoralischen" Thai-Frauen herunterzublicken, den eigenen moralischen Zeigefinger mahnend zu erheben, ist pure Heuchelei
Wir Farangs sollten uns lieber jeden Tag darüber freuen, nicht im Land der Reisfelder ohne jegliche soziale Hängematte geboren worden zu sein, anstatt hier die Nase zu rümpfen über die unmoralische Tätigkeit einer Thai Frau. Ein junges Mädchen, die einem oft mehr als doppelt so alten Farang ihren jungen Körper für eine läppische Gebühr leihweise zur Verfügung stellt, um ihre Familie im Isaan zu unterhalten, verdient in meinen Augen mehr Achtung, als diese persönlichkeitsgespaltenen Typen, die in Pattayas Bierbars und in den Thaiforen reihenweise herumgeistern, und in Selbstmitleid und gnadenlose Verdammung der Thaifrauen ausbrechen, wenn sie der Meinung sind, trotz des großzügigen Einsatzes von einigen 500-Bahtscheinen nicht genug "echte Liebe" von ihrer Lady bekommen zu haben.
Selbst wer als Pechvogel mit seiner angetrauten Thaifrau auf die Nase gefallen ist, sollte nicht sofort nach billigen Ausflüchten suchen und alle Schuld von sich weisen. Wem es nicht gelungen ist, sich sein exotisches Weib „untertan“ zu machen, so daß sie ihm nicht mehr auf Dauer ohne Entlohnung nachts als Langzeitprostituierte, und tags als züchtige Hausfrau in der Küche zur Verfügung stehen will, der sollte sich selbst die Frage stellen was er falsch gemacht hat. Thaifrauen sind – trotz der Tatsache, daß sie in Pattaya ihren Körper vermieten - sehr selbstbewu0te Frauen, und erwarten, daß sie von ihrem Partner so akzeptiert werden wie sie sind. Wer dazu ehrlich bereit ist, für den ist die Ehe mit einem ehemaligen Barmädchen kein größeres Risiko als mit einer Frau aus Deutschland. Dies auch dann, wenn wie in den meisten Fällen ein erheblicher Altersunterschied besteht.
Günther Ruffert
