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Isan Zeiten oder wie lebt es sich denn in “Dunkelthailand”


 
Um es ganz eindeutig voraus zu schicken. Das sind meine Erlebnisse im und mit dem Isan. Andere Personen haben im Isan bestimmt alles ganz anders erlebt, darum sind es auch nicht deren sondern allein meine Erinnerungen. Ich will partout nicht behaupten, dass es ueberall so zu geht wie von mir geschildet. Bei mir war es eben so.


Das beruehmte “erstemal”

Mein erster Trip nach “Dunkelthailand” sollte von Phuket aus starten. Ich hatte so einen Ausflugsplan von Phuket und da war am oberen Ende ein Pfeil und dabei stand 630 km bis Bangkok. Aha dachte ich mir, wenn das 630 km sind, dann koennen das bis Udon bestenfalls noch 300 weitere sein. Zu dieser Zeit besass ich noch kein Auto in Thailand sondern so ein Ding das aussah wie ein Motorrad aber in Wirklichkeit doch nur ein 150er Moped war. Damit wollte ich mit meinem Maedel diesen Ausflug in das andere, unbekannte Thailand machen das manche Strandbadbesucher Thailand’s nur das “Dunkelthailand” nennen. Dabei wusste ich zu dieser Zeit ehrlicherweise noch ueberhaupt nicht, dass es dieses andere Thailand, dieses “Dunkelthailand” auch geben soll.

 

Nur John, ein Englaender und guter Freund von uns der schon ewig lange auf Phuket lebte riet mir ernsthaft ab. Die Strassen waeren zu schlecht und das Risiko schon enorm so weit mit so einem Motorrad zu fahren. Gluecklicherweise kann ich heute sagen, habe ich seinerzeit auf ihn gehoert. Man muss dazu sagen, dass es damals z.B. diese schoene Autobahn auf Phuket noch nicht gab. Das war damals eine ueble Piste und bis zu 2 Stunden Fahrzeit vom Flughafen bis Patong gar nix aussergewoehnliches. Zumindest in der Rush Hour. Genausowenig gab es damals diese Luxusautobahn von Surat Thani Richtung Norden nach Bangkok. Also bin ich meinem Maedel mit dem Vorschlag gekommen einen Jeep zu mieten. Die kam auch gleich mit so einem Riesending an mit dem man angeblich am Strand wahnsinnig Eindruck machen kann. Allerdings zu fahren sind diese Dinger derart schlecht, dass ich mich dann doch lieber fuer so einen offenen Suzuki Jeep entschieden habe. Mein Maedel fand das ja nicht so ganz standesgemaess, aber was soll's?

 


Unser englischer Freund John ist im Sommer 2004 von Phuket nach Kao Lak gezogen. Seit der Tsunami Katastrophe am 26.12.2004 haben wir nichts mehr von ihm gehoert. Wir haben nicht in Erfahrung bringen koennen was aus ihm geworden ist.
Wenn er wirklich unter den Opfern sein sollte, dann gibt es mindestens zwei Personen die ihn nie vergessen werden.
B.O. + J.O.

 

Also ging die Reise mit diesem Suzuki Jepp los. Ich das erstemal in einem rechtsgelenkten Auto unterwegs. Bis Surat Thani brauchten wir schon locker 8 Stunden. Tja, damals waren die Strassen einfach noch nicht so wie heute und dann der Wahnsinnsverkehr dazu. Und zwecks dem was ich dann zwischen Surat Thani bis Bangkok in rund 20 Stunden Fahrzeit erlebte, laesst mich heute noch erschauern. Es ist schon ein unglaubliches Erlebnis wenn einem erstmals zwei Riesentrucks nebeneinander auf einer ganz normalen Landstrasse wild blinkend und hupend entgegen kommen. Habe ich vergessen zu erwaehnen, dass die Strassengraeben rechts und links ziemlich tief waren? Gut, beim dritten oder vierten mal gewoehnt man sich irgendwie auch daran, dass man sowas sogar ueberleben kann. Fragt mich nicht genau wie, aber irgendwie sind wir mit unserem Suzuki Jeep doch immer wieder durchgekommen. War ja gluecklicherweise nicht so breit wie dieser Angeberjeep. Just zu dieser Zeit wurde auch gerade die Autobahn zwischen Bangkok und Surat Thani gebaut. Das hiess, dass diese herrlich enge Landstrasse sich immer wieder mit bis zu 50 km langen Teilstrecken in Baustellen mit Schotterpisten verwandelten. Naja, als einziger Trost blieb mir in meinem offenen Suzuki, dass ich wenigstens doch nicht mit dem Motorrad unterwegs war.

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In Bangkok hatte ich dann festgestellt, dass aus den 630 so um die 1100 km geworden waren. Da hatte ich dann auch kapiert, dass die 630 km nur die Luftlinie, aber nicht die Fahrstrecke bis Bangkok sind. Uebrigens diese Ausflugsplaene gibt es heute noch immer. Und auch heute steht da immer noch drauf “630 km bis Bangkok”. Muss jedesmal wieder grinsen wenn ich mir aus der Ankunftshalle am Flughafen auf Phuket so einen mitnehme.

 

In Bangkok, wo ich eigentlich gar nicht hin, sondern umfahren wollte, brauchte ich dann einfach nur noch ein Hotel. Ich war fertig. Fix und fertig. Wobei ich doch noch registrierte, dass das Autofahren in Bangkok gar nicht so schwierig ist wie man gemein hin annimmt. Man steht ja eh meistens nur. Dann allerdings, ohne Vorwarnung setzt sich so eine Horde mit einer affenartigen Geschwindigkeit in Bewegung und man muss nur aufpassen nicht aufzufallen und mitrasen. Bis man wieder abrupt zum stehen kommt. Hoffentlich noch hinter dem Vordermann. Und dann steht und steht und steht man wieder. Bis urploetzlich dieses Spiel von vorne los geht.

 

Also nach 1100 km durch Staub und Dreck im Suzuki hat mich mein Maedel dann tatsaechlich zu einem Hotel gelotst. Witzigerweise hatte dieses just an diesem Tag seine Tore zum erstenmal geoeffnet und wir waren die sage und schreibe ersten Gaeste. Was die sich wohl von uns gedacht haben? Verdreckt ohne Ende mit so einem komischen Gefaehrt und einem Kennzeichen aus Phuket. Mir war's voellig egal. Genauso was dieses Hotel gekostet hat und ueberhaupt. Ich wollte nur noch ein Bett......

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Von Bangkok bis Kalasin

 

Eigentlich wollten wir nur einmal in Bangkok uebernachten. Aber nachdem wir bis Mittag durchgeschlafen hatten waere es auch bloed gewesen noch aufzubrechen. So haben wir ein Wat besichtigt und dann noch eins und noch eins. Mein Maedel wollte sich und mir in einem dieser Wat’s auch unbedingt noch die Zukunft aus der Hand lesen lassen. Ein alter Mann erzaehlte dann auch prompt eine lange Geschichte. Zuerst ihr und dann mir. Nur zu dumm, dass ich kein Wort davon verstand. Ob's man mir jetzt glaubt oder nicht. Laut den muehsamen Uebersetzungen durch mein Maedel hatte der mir unter anderem doch tatsaechlich voraus gesagt, dass ich demnaechst 2 Jobs gleichzeitig haette und "Big Boss" auf einer Insel werden wuerde. Dass ich das seinerzeit weder glauben konnte, noch dazu ganz anders interpretierte als es dann tatsaechlich kam, wen wunderts?

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Nach rund 2 Tagen realtiver Rast sollte es dann weiter gehen in Richtung Udon Thani. Wir waeren ja beinahe in die falsche Richtung losgefahren, da ich auf der Karte zuerst nur ein Ubon gefunden hatte. Aber aus dem Reisefuehrer wusste ich, dass die Thai's gerne mit unseren Buchstaben was falsch schreiben wuerden. Und wie leicht koennte man ein “b” (Ubon) mit einem “d” (Udon) vewechseln, oder? Aber irgendwie kam es meinem Maedel komisch vor, dass ihr Udon da liegen sollte wo ich auf der Karte hindeutete. Und als ich ihr die Namen der Nachbarorte vorlas meinte sie, dass dies eigentlich nicht sein koennte. Naja, damals konnte sie unsere Buchstaben eben noch gar nicht lesen und auch ihr englisch war noch nicht so wie es heute ist. Mit Hilfe des Rezeptionisten aus dem Hotel fanden wir aber dann doch noch das richtige Udon (Thani).

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Aus Bangkok raus, Richtung Norden auf der Autobahn am Flughafen vorbei war damals ebenfalls noch etwas problematisch. Es wurden gerade die Stuetzen fuer den Tollway gesetzt. Und das mitten auf der Fernverkehrsstrasse. So wurden aus vier Fahrspuren urploetzlich nur noch zwei oder gar nur eine. Und wie sich die Thai's da im absoluten Chaos durchquetschen kann man sich ja vorstellen. Dabei musste ich noch verflucht auf das Auto aufpassen, denn versichert war es nur auf Phuket. Seitdem wir aber von dieser Insel runter waren fuhr ich ohne jeglichen Versicherungsschutz, insgesamt runde 4.500 km kreuz und quer durch Thailand. Ueber Saraburi und Korat gingt es bis Khon Kaen eigentlich ganz gut. Bis dann meinem Maedel, scheinbar voellig ad hoc einfiel, dass wir jetzt mal rechts abbiegen sollten, da gleich um die Ecke eine Freundin leben wuerde die sie unbedingt noch besuchen muesste.

Die Ecke war dann aber doch etwas laenger und wir fuhren runde zwei Stunden bis Kalasin. Das heist in die Naehe von Kalasin, denn so ganz sicher war sie sich nicht in welchem der Doerfer dort denn nun ihre Freundin leben wuerde. Gross war ihre Freude als sie dann doch endlich doch das richtige Dorf entdeckte. Doch nix war da gleich hinzufahren. Nein, wieder eine halbe Stunde zurueck, denn da hatte sie einen kleinen Markt gesehen und so klaerte sie mich auf, wenn man wo zu Besuch hinkommt, dann muss man was zum Essen mitbringen. Also ungelogen, ca. 10 kg exotische Fruechte wurden mindestens aufgeladen. Dazu etliche gebratene Huehner und und und… Ich war mir da nicht mehr ganz sicher, ob das vielleicht gleich die Verpflegung fuer das ganze Dorf sein sollte. Aber was soll's? Ich war eh schon wieder ziemlich ko. Aufgeladen bis zum geht nicht mehr ging es dann schon fast mitten in der Nacht endlich zu ihrer Freundin. Als wir in dem Dorf nach vielen Fragen auch noch das richtige Haus gefunden hatten war eh schon das ganze Dorf wach und wusste, dass da wieder mal so ein verrueckter Farang anruecken wuerde.

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Das Haus der Freundin stand eigentlich auf Betonstelzen in einem ueberhoehten ersten Stock. Oder wie sollte ich es sonst beschreiben? Darunter befanden sich ein paar Baenke/Liegen die sich rasch mit allen moeglichen Leuten aus den umliegenden Haeusern fuellten. Alles Verwandte wie ich erfuhr. Irgendwie kam es mir ziemlich aermlich vor in dieser Gegend. Gluecklicherweise wollten die auch nicht allzuviel von mir wissen. Alles drehte sich nur um mein Maedel. Ich war scheinbar nur der nicht zu beachtende Fahrer.  Was ich damals nicht wusste war, dass mein Maedel bevor sie ueberhaupt nach Phuket ging ihrer Freundin bereits versprochen hatte zuallererst zu ihr zu kommen, falls sie einen Farang fuer sich aufreissen koennte. Gut, ich fuehlte mich nach dieser Fahrt zwar mehr als Verriss als Aufriss. Aber was soll’s? Mit einem Reisschnaps (Lao Khao, das erste Glas schmeckt grausam, das zweite geht und ab dem dritten besteht die Gefahr zu erblinden) und etwas Bier zum Essen wurde es dann doch noch eine relativ lustige Nacht. Zum schauen hatte ich ja genuegend, denn irgendwie waren die Leute ganz anders als auf Phuket. Wenn man aus der bunten Glitzerwelt Bangkoks oder einem der Seebaeder Thailands in den Isan kommt, kam es zumindest mir so vor als waere ich in einen schwarz/weiss Film geraten. Das Dorf sah zwar ungefaehr so aus, wie ich sowas schon in so manchen, herrlich romantischen Expeditionsfilmen gesehen hatte. Aber wenn man dann da so richtig live drin ist, dann kam mir das heiss, stinkig und dreckig vor. Irgendwie gar nicht mehr so romantisch wie das im TV ausschaut. Das armselig lass ich jetzt besser weg. Denn heute weiss ich, dass dieses Dorf noch richtiggehend gepflegt und verhaeltnismaessig wohlhabend ist.

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Am naechsten Tag war dann noch absolut nix mit weiterfahren. Immer mehr Verwandte kamen und gingen und so langsam wollten die dann doch ein paar Sachen von mir wissen. Uebersetzt hatte mein Maedel und ein alter Mann der waehrend dem Vietnamkrieg fuer die Amis auf einem ihrer Stuetzpunkt gearbeitet hatte. Dass ich in diesem Dorf nicht gerade der erste Farang war wurde mir dann auch gezeigt. Stand da doch ein richtig gemauertes Haus im Rohbau rum. Voller Stolz wurde es mir gezeigt, dass das ein Farang aus “Yoermani” gebaut haette. Leider sei es nicht mehr fertig geworden, da er vorher gestorben sei. Jetzt war die Besitzerin wieder in einem Seebad um einen Nachfolger zu finden der ihr das Haus fertig baut. Leute, worueber wir manchmal den Kopf schuetteln empfinden die Leute dort eben ganz anders. Das Haus ist uebrigens zwischenzeitlich fertig gebaut. Sogar einen ziemlich schoenen Garten etc. hat der oder die Nachfolger des leider zu frueh verstorbenen Haeuslebauers aus Germany noch angelegt.

Ziemlich erstaunt war ich dann aber doch als wir nach zwei Tagen weiterfahren wollten als ihre Freundin und deren Mann einfach so in unser Auto stiegen und mitfuhren. Mit mir darueber geredet wurde vorher nicht. Da hatte ich mir dann aber gleich gedacht “aha alleine mit mir traut sie sich doch nicht nach Hause”. War uebrigens tatsaechlich so, wie mir aber erst viele Jahre spaeter bestaetigt wurde.

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Bis ins richtige Nirwana und wie man auch Kinder kriegen kann!

Man darf sich uebrigens den Isan nicht als einheitliches Land vorstellen. Das ist nicht viel anders als in Bayern auch. Da gibt es auch ein Ober- und Niederbayern, Oberpfalz, Schwaben etc. pp. Im Isan eben auch. Bis Kalasin waren die Strassen auch noch geteert. So einigermassen wenigstens. Wenn man dann aber weiter Richtung Norden abseits der einen und meines Wissens seinerzeit auch einzigen Hauptstrasse zwischen Khon Kaen und Udon Thani faehrt (was heute aber auch schon eine Autobahn ist!), wurden es aber mehr und mehr staubige Sandpisten die sich und auch immer mehr verengten und dann eigentlich nur noch mit unseren Feldwegen vergleichbar sind. Das heisst so staubig und voeller Loecher sind nicht einmal die meisten unserer Feldwege. Da werden 50 km zu einer wirklichen Entfernung.

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Ich hatte ja laengst die Orientierung verloren denn auf meiner Karte waren nur “wichtige" Strassen eingezeichnet und da wo wir uns in etwa seit Stunden bewegten war auf meiner Karte schlichtweg nichts mehr. Sozusagen Nirwana. Witzigerweise schienen auch mein Maedel und ihre Freundin nicht so genau zu wissen wo es hin ging. In jedem Winzdorf wurde angehalten und ich hatte den Eindruck die diksutierten aus welcher Weg der richtige sein koennte. Heute weiss ich, dass so ein durchschnittlicher Isaner den Namen des naechsten Dorfes kennt. Vielleicht auch noch den des uebernaechsten und wenn er viel rumgekommen ist, vielleicht auch noch des dritten. Aber dann hoert's auch schon auf. Warum sollte er sich das auch merken, denn von seinem Dorf gibt's garantiert einen Bus zur naechsten Provinzstadt und von dort nach Bangkok. Reicht doch voellig, oder?

An der zunehmenden Erregung meines Maedels konnte ich dann aber doch erkennen, dass wir uns gut durchgeschuettelt und staubig ohne Ende dem Ziel naehern mussten. Als sie dann auch noch die Wege wieder erkannte wusste ich, jetzt muessen wir bald da sein. Eigentlich weiss ich heute gar nicht mehr was ich damals vom Dorf meines Maedels erwartete. Oder vom Haus ihrer Familie. Ich weiss auch nicht mehr genau warum ich damals schon irgendwie richtig geschockt war als wir dann tatsaechlich dort ankamen. Irgendwie hatte ich das Gefuehl ich bin im falschen Film. Ich dachte damals ja schon in Kalasin das waere armselig gewesen. Aber so wie's dann in Khamloh, dem Heimatdorf meines Maedels aussah, das hat mich dann doch umgehauen. Am besten laesst es sich so beschreiben: Abenteuer faengt da an, wo Marlboro und Coca Cola endet. Und in diesem Dorf gibt es selbst heute zumindest noch keine Marlboro.

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Als wir da vor dem Haus ankamen, es mag spaeter Nachmittag gewesen sein, war kein Mensch Zuhause. Alle waren noch irgendwo auf den Feldern beim arbeiten. Aus der Nachbarschaft kamen ein paar aeltere Maenner und jede Menge Kinder. Doch alle zusammen hielten zu mir einen Sicherheitsabstand von locker 20 Meter. Die standen wirklich im Kreis um mich rum, sagten nichts, sondern starrten mich nur an. Selbst wenn ich auf's Klo ging, was ein Verschlag hinter dem Haus war, hing die Meute mit Sicherheitsabstand um mich rum. Getuschelt unter sich haben die genuegend. Aber niemand naeherte sich mir.

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Gegen Abend kam dann peu a peu die Familie zurueck. Ich wurde wenigstens von diesen freundlich nickend und mit einem Wai begruesst und weil es so viele waren hatte ich gleich wieder den Ueberblick verloren wer denn nun wer war. Immerhin hat mein Maedel 7 Schwestern und einen Bruder. Dazu jede Menge Ehemaenner und noch mehr Kinder und Onkeln, Tanten und wie es mir schien gleich im Dutzend billiger. Das Haus, oder sollte ich lieber schreiben groessere Holzhuette, ebenfalls als Pfahlbau erstellt, hatte eine grosse offene Flaeche und nur an den Seiten ein paar Zimmer oder besser gesagt Verschlaege. Etwas abgesetzt davon war eine Art Kuechenbereich. Gekocht wurde auf einem Steineimer in dem ein paar Holzkohlenstuecke vor sich hin klimmten. Im Prinzip unterschied sich der Wohn- vom Kuechenbereich nur dadurch, dass die Ritzen in den Bodenbrettern etwas breiter waren. Dies deshalb, damit die Abfaelle besser nach unten durchfallen konnten was dort von den Huehnern, Enten, Hunden und was da sonst noch alles rumkroch hochwillkommen war. Aber dazu noch spaeter mehr.

Bis auf 5 -10 Meter hatte sich mir aber doch noch niemand genaehert. Ich wusste zum Beispiel zwar, dass mein Maedel auch zwei Toechter von vier und zehn Jahren hatte, aber diese hielten sich auch soweit wie moeglich von mir und ihrer Mutter entfernt, sodass ich die am ersten Tag/Abend gar nicht zu Gesicht bekam. Erst nach etlichen Runden mit diesem Lao Kao den ich auch weiterhin lieber den “mach-mich-blind-Schnaps” nenne kam dann ganz vorsichtig ein alter Mann auf mich zu, nahm meinen Arm und versuchte mir die Haut vom Arm zu rubbeln. Er wollte einfach nur wissen, ob diese weisse Farbe nicht vielleicht doch wegzuwischen waere. Ich will jetzt wirklich nicht behaupten ich waere der erste Farang in diesem Dorf gewesen. Aber immerhin war es so was besonderes, dass die Leute vor dem Haus sassen und warteten ob sie mich sehen koennten. Gluecklicherweise gehen die Leute im allgemeinen im Isan sehr frueh schlafen. Zumindest die fleissigen die was arbeiten und so ging mein erster Tag als vielbestaunter Affe wie in einem Zoo zu Ende.

So frueh wie die schlafen gehen, so frueh stehen sie auch wieder auf. Also die Zeitumstellung von Europa nach Thailand betraegt meistens rund sechs Stunden. Der Jetlag zwischen den Seebaedern und dem Isan dagegen betraegt runde zwoelf Stunden, denn wenn die in Patong oder Pattaya heimwanken, da fangen sie im Isan bereits wieder an z.B. Fischsuppe zum Fruehstueck zu kochen. Geschlafen wurde mit allen zusammen auf Reisstrohmatten, da wo vorher auch gegessen, getrunken und auch gefeiert wurde. Schlafzimmer oder so Fehlanzeige. Genauso Matrazen oder aehliche Luxusgegenstaende die einem verweichlichten Europaeer so gelaeufig sind. Und z.B. so eine herzerfrischende Fischsuppe morgens gegen 5, wenn's noch dunkel ist, das hat dann auch noch was. Insbesondere, da die sie Fische vor dem kochen oder braten nicht ausnehmen. So ein bisschen Galle kann doch auch nicht schaden, oder?

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Der naechste Tag liess sich dann auch gleich toll an. Eine Schwester meines Maedels war hochschwanger und hatte sowas aehnliches wie Wehen. Ob ich sie ins Krankenhaus fahren koennte? Natuerlich konnte ich das und so gings mit 7(!) Leuten ab ins naechste Krankenhaus. Unnoetig zu erwaehnen, dass dies eine fast zweistuendige Autofahrt ueber diese Feldwege wurde, oder? Zu meinem Erstaunen schaute sich der Arzt die Frau zwar an, stellte dabei fest alles paletti und schickte sie wieder nach Hause. Nach wie vor mit sowas wie Wehen. Wie die auf dem Rueckweg noch die 27 kg Fruechte, Salat, Rindfleisch, Bier etc. in den Suzuki gekriegt haben weiss ich nicht. Auf alle Faelle waren wir am Nachmittag wieder in dieser Ansiedlung das sich Dorf nannte. Die Schwangere wurde ins Haus hochgetragen und wie es sich fuer eine Frau gehoert in der Kueche am Boden abgeladen. D’rum herum fingen alle moeglichen Frauen auch gleich an ein Riesenmahl zu bereiten. Als ich dann fragte was das jetzt wird und was mit der gebaerenden Schwester passiert erhielt ich zur Auskunft, ja die kriegt jetzt da ihr Kind und heute ist dazu ein grosses Fest. Aha, ob jetzt nur ich der Ausloeser, sprich Zahler fuer das grosse Fest war oder ob das immer so bei Geburten ist weiss ich nicht. Auf alle Faelle waren da am Schluss locker 40-50 Leute und im Kuechenbereich die offensichtlich der Geburt sich naehernde Frau. Als die Wehen dann staerker wurden kam etwas was mich richtig schockierte. Man hing diese Gebaerende an den Haenden so auf, dass ihre Knie kaum noch den Boden beruehrten. Dort hing dann diese Frau mitten in der Kueche, rund herum 40-50 Leute und schrie bei jeder Wehe vor sich hin. Jeder Schrei wurde natuerlich von den Anwesenden irgendwie kommentiert. Gluecklicherweise verstand ich ja nicht was da gesagt wurde.

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Das ganze zog sich locker ueber 2-3 Stunden hin. Die Gebaerende wurde immer wieder mit nassen Tuechern abgewischt, aber ich konnte es nicht fassen und verstehen warum man so grausam mit dieser Frau umging. Viel spaeter erzaehlte mir meine Frau (und damaliges Maedel sind uebrigens die gleiche Person!), dass dies so usus sei im Isan. Als sie schwanger in Bangkok arbeiten war, waere sie auch extra nach Hause gefahren um auf diese traditionelle Weise ihre Tochter zur Welt zu bringen. Naja, da bleibt einem nur die alte Erkenntnis "andere Laender, andere Sitten". Sonst faellt mir dazu nix mehr ein. Dass diese grausamen Geburtsriten nach der Geburt des Kindes noch steigerungsfaehig sein wuerden, das konnte ich zu dieser Zeit ja noch nicht erahnen.

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Die traditionellen Geburtsriten im Isan


Als dann endlich das Kind kam, gab es natuerlich in grosser Runde ein lautes Hallo und jeder wollte die beste Sicht haben. Man muss sich das bildlich vorstellen, da hing die Frau an ihren Haenden aufgehaengt und wie das halt bei Geburten so ist kommt mit grossem Pressen ein Schwall von Blut und dann eben das Kind. Darum herum zu allererst eine Menge alter Frauen und dann die rund 50 Gaeste. Die alten Frauen kuemmerten sich zuallererst um das Kind. Soweit ich das sehen konnte, wurde es ziemlich ruppig gerieben und geputzt. Bildlich gesprochen ungefaehr so wie man ein verrostetes Bodenblech eines alten VW-Kaefer abschmirgelt.

Waehrend dessen kam die Nachgeburt. Diese wurde mit dem ganzen Blut einfach mit ein paar Eimern Wasser nach unter gespuelt. Spaetestens jetzt weiss man auch, warum die Ritzen im Boden des Kuechentrakts etwas weiter sind. Die Viecher darunter waren offensichtlich ziemlich happy was da von oben ankam. Zumindest habe ich das aus den Geraeuschen von unten geschlossen. Dann endlich wurde die Frau aus ihrer haengenden Haltung befreit. Waehrend dessen wurde immer noch das Neugeborene geschrubbt und geputzt bis es endlich die rosa Farbe wie ein kleines Schweinchen hatte die es offensichtlich nach Ansicht der alten Frauen auch haben sollte. Uebrigens geschrien hat das Kind schon lange nicht mehr, was mich anfangs verleitete anzunehmen das Kind koennte diese Behandlung am Ende erst gar nicht ueberlebt haben. War aber gluecklicherweise dann doch nicht so. Dann haben sie das kleine Kind eingepackt in was weiss ich wieviele Schichten. Ich wuerde behaupten wollen, Eskimos ziehen einen Neugeborenen auch nicht mehr an. Nur haben die 30 Grad minus und nicht 30 Grad plus wie im Isan.


Die Maenner hatten zwischenzeitlich einen quadratischen Holzrahmen und etliche Eimer Erde raufgeschleppt und damit am Boden der Holzhuette eine Feuerstelle eingerichtet. Darauf entzuendeten sie ein richtig grosses Feuer und haengten einen grossen Kessel Wasser darueber. Stellt Euch das so vor. Draussen im Schatten 30 Grad. Unter dem Blechdach rund 50 Grad, zumindest tagsueber, und dazu noch die Hitze des Feuers und der Rauch etc. pp. Damit der Rauch wenigstens etwas abziehen konnte wurden einfach ein paar Bleche aus dem Dach verschoben. Vor dem Feuer wurde dann noch eine Art Altar errichtet und so rund 10 qm drumherum mit Reisstrohmatten abgehaengt. Auf dem Altar vor dem Feuer wurde nun die Frau hinplaziert. Knapp daneben das Neugeborene in einer Schaukel. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte dieses seit seiner Geburt noch keinerlei Kontakt mit der Mutter. Zu diesem Zeitpunkt lag die Geburt mit Sicherheit aber schon mehr als eine Stunde zurueck und erst dann, in dieser brutalen Umgebung mit der unertraeglichen Hitze und dem Rauch, erhielt die Mutter das Kind um es erstmals zu stillen.

 

Fuer mich war diese Prozedur nichts anderes als allerschlimmste Misshandlungen von Mutter und Kind. So ziemlich kontaer zu allem was wir als richtig erachten bei einer Geburt. Vielleicht wunderte sich der eine oder andere schon mal ueber die beruehmten zwei Gesichter die viele Thai's an den Tag legen koennen. Einerseits dieses extrem freundliche und nette Gesicht und unmittelbar darauf genau das Gegenteil praktizierende. Aus der Verhaltensforschung wissen wir wie so schizophrene Persoenlichkeiten gepraegt werden. Seit ich das gesehen habe, wundert mich diesbezueglich auch absolut nichts mehr.

 

Uebrigens die Frau verbrachte volle 10 Tage an diesem staendig brennenden Feuer in dieser Hitze, Rauch und Gestank. Dazu wurde sie regelmaessig abwechselnd mit heissem und kaltem Wasser uebergossen. Das soll zur Reinigung der Frau nach einer Geburt dienen. Daneben –logisch- das Neugeborene. Vielleicht klingt das, als haette ich in die Urwaelder Bormeos einen Ausflug gemacht. Aber nein, von Bangkok aus faehrt man heutzutage in rund 6 Stunden bis Udon und schon ist man in einer voellig anderen Welt. In einer Welt in der alles was wir glauben zu wissen nichts mehr gilt. Wo gut nicht gut und schlecht nicht schlecht ist. Ich mag mir nicht anmassen zu urteilen ob das nun richtig oder falsch waere wie diese Leute leben. Ich habe mir angewohnt zu akzeptieren, dass sie eben anders leben. Und noch was sollte man nicht vergessen. Diese Maedels an den Bars der Seebaeder kommen zum ueberwiegenden Teil aus diesen Gegenden wo alles so ganz anders ist. Nicht nur fuer den Europaeer der erstmals z.B. nach Pattaya oder Patong kommt ist das ein Kulturschock. Fuer die Maedels ganz genauso. So wie mir anfangs das Verstaendnis fuer deren Verhalten voellig fehlte, so geht es den Maedels mit uns ganz genauso.

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Bis Nong Khai und zurueck ins Luxus-Leben


Um ehrlich zu sein, nach diesen ersten Tagen im Isan war ich ziemlich geschafft. Wobei ich gar nicht sagen koennte ob es physisch oder psychisch anstrengender gewesen waere. Mein Maedel hat das wohl irgendwie erkannt und sie lotste mich zu ihrem "Farmerhaus". Das sind einfachste Huetten ausserhalb des Dorfes wo sie ihre Felder haben. Dort sind auch die Kuehe usw. untergebracht. Strom und sonstiges ist weit weg und man fuehlt sich nochmals um Jahrhunderte zurueck versetzt. Voellig ruhig und man ist allein und kann soweit man sowas mag wirklich extrem gut relaxen. Um sich rum nur noch Natur und natuerlich knallheiss. Dort blieben wir dann fast zwei Tage. Dabei komme ich fast automatisch zum Thema Essen. Bei uns kocht oder braet man in aller Regel das Fleisch oder Gemuese und den Salat gibt's zumeist roh. Im Isan ist das eher umgekehrt. Dazu wird so ziemlich alles gegessen was dort so rumkeucht oder fleucht. Reis, also der Kao Lao (= Pappreis) ist das Hauptnahrungsmittel. Zum Fruehstueck, Mittags und Abends. Je nach Lage gibt's alles moegliche dazu. Ameiseneier, Kaefer und so weiter und so fort. Soweit moeglich alles mit viel Chilli gewuerzt, dass einem schon das danebensitzen die Traenen in die Augen druecken kann. Eine besondere Spezialitaet, die es zumeist nur zu besondere Anlaesse wie Hochzeiten oder Beerdigungen gibt, ist Rindfleisch das auf Holzkloetzen mit Macheten zu einer Art sehr feinem Hackfleisch gehackt wird. Witzig finde ich dabei, dass zumindest in der Familie meiner Frau, die dazu keine eigene Kuh schlachten, sondern ggf. lieber eine verkaufen und das Fleisch wiederum von einer Kuh kaufen die sie zu Lebzeiten nicht kannten. Dann laesst man den Darm der Kuh aus und zuerst dachte ich “aha die machen jetzt eine Wurst”. Aber weit gefehlt. Dieses schon fast zu einem Brei gehackte Rindfleisch wird so roh wie es ist in diesen Darminhalt hinein gekippt. Dann kommt fast genausoviel Chilli dazu und noch irgendwelches Gruenzeug. Fest umgeruehrt und ein paar Stunden gereift ist es dann ungefaehr sowas wie fuer die Bayern z.B. ihr Schweinsbraten mit Knoedel.

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Diese rohe Rindfleischpaste in Scheisse, Entschuldigung fuer diesen Ausrueck, wird dann zusammen mit dem Pappreis zumeist in grosser Runde genossen. Man glaubt gar nicht wieviele "Freunde" da blitzschnell ankommen, wenn es sowas Tolles gibt. Dieses nur mal als Beispiel, dass es nicht ganz einfach ist sich dort zu ernaehren wenn man bislang eher nach dem Motto "was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht" gelebt hat. Zumindest hatte ich nach einer knappen Woche das dringende Beduerfnis wieder mal was zu mir zu nehmen was wir gemeinhin als thailaendische Kueche kennen. Und so machten wir uns auf weiter nach Nong Khai zu reisen. Hatte ich doch im Reisefuehrer gelesen, dass es dort sogar franzoesisches Baguet geben soll. Zudem war es mir auch ein Beduerfnis mal am Mekong zu stehen. Fliesst dieser doch bis nach Vietnam und mir aus den Zeiten des dortigen Krieges ein ganz wichtiger Begriff gewesen.

Der Mekong bei Nong Khai ist ein ziemlich eingedaemmtes braungefaerbtes, relativ schnell dahinfliessendes Gewaesser. Dass dieser zwischen Trocken und Regenzeit locker 20 m mehr oder weniger Tiefe ausweisen kann laesst sich dort herrlich erkennen. Meine Gedanken flossen mit dem Wasser bis Vietnam. In Gedenken an die hundertausende Opfer die diese Kriege der Franzosen und Amis dort gekostet haben. Am Ufer des Mekongs befinden sich auch jede Menge aus einfachen Holzstangen zusammen gezimmerte Fischrestaurants. Wir suchten uns einen echt tollen Fisch aus und liessen diesen grillen. Er sah wirklich toll aus und ich auch richtig hungrig. Doch mit dem ersten Biss war es aber auch schon wieder vorbei mit dem Hunger. Wenn man naemlich so einen Fisch vor dem Grillen nicht ausnimmt und dank der Hitze die Galle platzt, dann veraendert das den Geschmack eines Fisches so richtig nachhaltig. Ich mag es zumindest nicht, aber fuer die Isaner waere es eine Schande das beste an so einem Fisch vorher rauszunehmen und eventuell sogar noch wegzuwerfen. Wie schon mal geschrieben, jeder wie er es mag oder fuer den der's mag, mag's das hoechste sein.

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Insgesamt waren wir rund zwei Wochen in diesem “Dunkelthailand” unterwegs und mein Bedeurfnis an Natur, voellig fremdartiger Menschen mit sehr fremden Sitten und Gebraeuchen und einem Essen, das mich zumindest zu einer unfreiwilligen Diaet veranlasste, hatte mich dann doch zu einer Rueckkehr in die Welt mit dem Luxus westlicher Zivilisation getrieben. Rund 3 Tage brauchten wir zurueck bis Phuket.

Und um ehrlich zu ein, ich war derart froh da wieder weg zu sein, dass ich mir wirklich nicht vorstellen konnte jemals dorthin nochmals fahren zu wollen. Anders ausgedrueckt, ich war einfach noch immer nur geschockt. Dass ich ein paar Monate spaeter komplett in den Isan ziehen wuerde, das haette ich mir wirklich nicht vorstellen koennen. Und als ich dann sogar nach Europa zurueck musste dies sogar noch als Vertreibung aus dem Paradies empfand; Tja, wenn mir das damals einer nach diesen ersten Tagen erzaehlt haette, den haette ich fuer komplett verrueckt gehalten.

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Beim zweitenmal wird alles besser…

 

Nein, ich wollte da wirklich nicht mehr hin. Aber dann waren meine zwei Buben mal wieder waehrend der Sommerferien zu Besuch und denen wollte ich ein bisschen mehr zeigen als nur Phuket. Meine Perle war sofort Feuer und Flamme und es war fuer sie von Anfang an klar wo es hingehen sollte. Natuerlich zu ihr wieder rauf. Zu dieser Zeit wohnten bereits auch die beiden Maedels von ihr mit uns auf Phuket. Und da ich nur einen normalen Pickup hatte konnten wir noch dazu in der Regenzeit nicht alle mit dem Auto fahren. Eine Freundin meines Maedels wollte auch noch nach Udon und so ist die ganze Meute mit dem Bus abgefahren. Wir beide dann mit dem Pickup hinterher, denn ohne fahrbaren Untersatz wollte ich in diesem Dorf im Nirwana dann doch wirklich nicht sein.

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Unseren Pickup haben wir dann auch noch richtig voll geladen. Ein Moped, eine Waschmaschine und was man halt sonst noch so alles mit nimmt in den Isan. Alles hinten drauf geladen und los gings. Irgendwie kam mir die Fahrt bis Bangkok in einem “richtigen” Auto dann gar nicht mehr so schlimm vor. Dort die Nacht in "unserem" Hotel verbracht und am naechsten Morgen ging's dann die restlichen 600 km Richtung Udon. Zwischen Korat und Khon Kaen hat's ja eine herrliche Autobahn, das Wetter war gut und so ging es ziemlich flott voran. Jetzt muss ich anfuegen, Autobahn ist ja nicht unbedingt im europaeischen Sinne zu verstehen. Da kommen einem schon so manches mal ein paar Wasserbueffel entgegen. Mopeds fuehlen sich sowieso nicht an die eigentliche Fahrtrichtung gebunden und es fehlen z.B. Ein- und Ausfahrten. Statt dessen gibt es Kreuzungen wie auf normalen Landstrassen auch. Und an irgendeiner dieser Kreuzungen kam von links ein LKW. Ein ziemlich grosser LKW. Der fuhr langsam auf die Kreuzung zu und ich wuerde sagen, der Fahrer hat mir auch direkt in die Augen geschaut. Lieber waere es mir gewesen er haette statt dem schauen auch angehalten. Hat er aber nicht und fuhr quer ueber die Autobahn (in Thailand hat es Linksverkehr!). Ganz knapp vor mir. Anhalten ging nicht mehr und ausweichen war ebenfalls nicht moeglich. In diesem Moment habe ich eigentlich mein Ende direkt vor mir unter diesem LKW gesehen. Instinktartig riss ich das Lenkrad nach links und bremste voll. Gluecklicherweise hatten die Bremsen eh schon immer nach links gezogen und so drehte sich der Wagen und ich sauste schraeg rueckwaerts und nicht frontal in den LKW. Durch die Wucht des Anpralls riss es den LKW und mich wieder herum und nach 20 Meter stand ich schoen geparkt am Strassenrand. Keine 30 Meter vor einer Bushaltestelle wo viele Leute standen…

 

Ich fragte mein wie versteinert neben mir sitzende Maedel ob alles ok sei. Ja, nix passiert und so stiegen wir absolut unverletzt aus. Als die allerdings den Pickup sah geriet sie in einen hysterischen Weinkrampf. Der war krumm wie eine Banane und alles was darauf war, war genauso krumm. Also das Moped, die Waschmaschine und all das andere was man eben so dabei hat wenn man in den Isan faehrt.... Ich ging zu dem LKW zurueck als der ploetzlich Gas gab und davon fuhr. Gluecklicherweise habe ich mir das Kennzeichen merken koennen. Die Leute von der Bushaltestelle versuchten waehrend dessen mein Maedel zu beruhigen. Aber die war nicht mehr zu halten. Ich fand's ja fast witzig. Ich fuehlte mich wie Michael Schumacher, so grandios hatte ich unser Leben gerettet und die flennte wie ein Schlosshund wegen dem Auto etc. Ehrlich, ich hatte ein saugutes Gefuehl in diesem Moment.

 

Erstaunlicherweise kam dann sogar die Polizei vorbei. Erst da beruhigte sich meine Perle und es ging ab zum Polizeirevier. Der Pickup lief noch, er hatte zwar die Tendenz im Kreis fahren zu wollen, aber es ging schon. Auf der Polizei wurde ein Protokoll ganz modern am PC aufgenommen. Dann wechselten noch unter einem Blatt Papier 500 Baht den Besitzer damit die Polizei auch die Moeglichkeit hatte den unfallfluechtigen Fahrer zu ermitteln. Ich war ja der Ansicht, dass dies voellig sinnlos verplemperte Zeit und Geld waere. Aber mein Maedel wusste es mal wieder besser. Also habe ich mitgespielt, war ja froh dass sie darueber mit ihrer Flennerei aufgehoert hatte.

 

Im Nachhinein darf ich auch gar nicht daran denken was passiert waere, wenn ich statt dem Moped und der Waschmaschine und was man eben sonst noch so dabei hat wenn man in den Isan faehrt… die 4 Kinder hinten drauf gehabt haette. Ich glaube, dann waere ich lieber frontal in den LKW rein geknallt. Aber trotzdem, nein, daran denken darf ich eigentlich heute noch nicht…..

 

Mit diesem Fahr-im-Kreis-Auto sind wir dann auch noch bis in unser Dorf gekommen. Hat zwar ewig gedauert, aber wir haben es geschafft. Das war vielleicht ein Hallo. Meine Buben waren ja schon einen Tag dort und der Empfang diesmal war voellig anders als das erstemal. Ich wurde herzlich begruesst wie ein altes Familienmitglied!

 

Uebrigens, die Polizei hat dann tatsaechlich den Fahrer ermittelt. Das heisst sie hat heraus gefunden, dass der LKW wenige Tage vor dem Unfall verkauft worden ist. Nur umgemeldet war der LKW noch nicht. Erwischt wurde der Unfallfahrer dann aber doch. Die Freundin meiner Frau aus Kalasin (siehe oben) setzte sich 14(!) Tage auf die Zulassungsstelle bis der Typ zum ummelden des LKW kam. Dort wurde er dann von der Polizei verhaftet und erst wieder rausgelassen als er sich bereit erklaerte den gesamten Schaden zu bezahlen. So gehoere ich wohl zu den wenigen Farangs die einen Unfallschaden tatsaechlich erstattet bekommen haben und das dann sogar noch in voller Hoehe (ca. 80.000 Baht!). Sowas gibt's also auch. Sogar im angeblichen "Dunkelthailand".

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Gemuetsveraenderungen

 

Wie schon erwaehnt war die zweite Ankunft in "unserem" Dorf ganz anders als bei meinem ersten Besuch. Ob es daran lag, dass meine zwei Buben schon einen Tag vorher eingetroffen waren, ich das zweitemal dort war oder der kaputte Wagen. Egal, wie auch immer, der Empfang war mehr als herzlich. Mein Maedel allerdings ereilte der zweite grosse Heulkrampf weil halt alles kaputt war. Ich kuemmerte mich zwischenzeitlich lieber um meine zwei Buben. Denen ging es naemlich ziemlich genauso wie mir am Anfang. Sie waren einfach nur geschockt. Der Dreck und das war diesesmal noch viel aerger als beim erstenmal weil es gerade Regenzeit hatte und dann war da ploetzlich nix mehr mit schoenem Zimmer, Bett und sonst noch so (entbehrlicher) Luxus westlicher Zivilisation. Doch diesesmal hatten sie im Haus meines Schwiegervaters ein paar Kammern ausgeraeumt und sogar Matrazen aufgetrieben.

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Natuerlich gab es auch diesmal ein grosses Willkommensfest mit allem was dazu gehoert. Die Leute dort oben haben wirklich so ziemlich nix. Wenn da einer in seinerzeit sehr modisch zerrissenen Jeans rumrennt, dann nicht weil das modisch waere, sondern weil der keine andere hat. Und der oder die Nachbarn kommen nicht unbedingt nur vorbei um Farangbuben zu bestaunen, sondern weil es etwas besonderes zum Essen gibt. Ein geschlachtetes Huhn oder ein paar Fetzen Schweinefleisch (gebraten). Zumindest zu dieser Zeit der grossen Suedostasien-Wirtschaftskrise war das Dorf voll mit Leuten die zurueck aus Bangkok waren. Alle nun ohne Job. Ohne Geld und ohne Perspektive.

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Und wenn's dann in so argen Zeiten schon mal eine Feier gibt wo auch genuegend Bier und Schnaps da ist, da wird dann eben gesoffen bis zum buchstaeblichen Umfallen was aber niemand besonders stoert. Das ist nach Ansicht der Isaner bei uebermaessigen Alkoholgenuss ganz natuerlich. Genauso, dass man dann ggf. halt auch etwas kotzen muss. Dazu geht man an die Bruestung kotzt runter, wischt sich den Mund ab, setzt sich wieder hin und kann gleich weitersaufen bis man dann endlich voll wegpennt. Sowas wird nicht etwa als unpassend oder schlecht empfunden. Nein, das ist der natuerliche Tribut an den Alkohol und wird bestenfalls ignoriert oder mit lockeren Spruechen oder Lachern quittiert. Passiert doch jedem, oder?

 

Verwundert hat mich immer wieder, dass Festivitaeten oft schon morgens stattfinden. Und wenn ich morgens schreibe, dann meine ich das auch so. So gegen 6.00 Uhr zumeist kann das schon losgehen. Das geht dann mit der Sauferei bis 10.00 oder 11.00 Uhr vormittags und dann wird der Rausch eben ausgeschlafen. Man hat mir erklaert, wenn man saeuft, darf man vorher nix gegessen haben. Saufen nach dem Essen waere ganz schlecht, denn dann wuerde es einem ja ganz schnell uebel werden. Da sind sie wohl auch anders gestrickt als wir verweichlichten Europaaer.

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Wenn man aber jetzt glauben sollte, die arbeiten nix, dann taeuscht man sich ganz gewaltig. Die arbeiten naemlich wie die Tiere. Doch es gibt eben Zeiten, so wie in der Regenzeit, da ist halt einfacher weniger zu tun und man hat demzufolge (mehr) Zeit zu feiern. Nebst der Regenzeit gibt es dann auch noch nach den Erntearbeiten so ab ca. Mitte Januar bis Song Khran noch etliche Wochen wo weniger zu tun ist. Das ist die dann die Zeit der Konzerte, aber dazu spaeter mehr.

 

Als meine Buben in Khamloh waren, begann dann erstmal die Suche wo man was essbares fuer Farangs auftreiben koennte. Zu dieser Zeit fuehrte noch keine geteerte Strasse in unser Dorf und bis nach Udon Thani waren es, soweit man in der Regenzeit ueberhaupt durch kam, meist so um die 3 - 4 Stunden Fahrzeit. Dafuer bekommt man dort eigentlich fast alles was ein Farangherz oder besser Magen sich wuenscht. Nur vergessen durfte man nix. War ja jedesmal ein Tagesausflug um auch nur ein paar richtige Kartoffeln zu bekommen. Nicht bewaehrt hatte sich trotzdem gleich groessere Vorraete einzukaufen. Ich hatte mal fast ein halbes Schwein gekauft und dacht eigentlich, das muesste trotz grosser Familie eine Woche locker reichen. Als ich abends den Kuehlschrank aufmachte waren von dem halben Schwein vielleicht gerade noch mal 100 gr da. Wo der Rest geblieben ist? Es ist mir heute noch ein Raetsel. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass die Thai's in aller Regel nur Wasser in ihren Kuehlschraenken haben und das halbe Schwein hat sie gestoert. Wer weiss?

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Wir sind dann noch eine Menge mit meinen Buben zusammen im Isan rumgereist (im Mietwagen, der Pickup war ja kaputt und in Reparatur). Mein Maedel hat ja ueberall im Isan ihre Familie und Freunde. Besonders gute Freunde leben uebrigens so rund 1 1/2 Stunden Autofahrt von unserem Dorf entfernt. Das sind so 30 km weit weg. Bei denen war es immer ganz besonders lustig. Die schlachteten jedesmal ein Huhn und die Tom Yam Gai war immer aussergewoehnlich gut. Die wirklich lustigsten Abende haben wir immer bei denen verbracht. Meine Frau kocht ja auch immer wieder diese Huehnersuppe, aber so wie bei ihren Freunden hat sie die nie hingebracht. Als wir dann Jahre spaeter schon wieder in Europa lebten, erlaubte ich mir mal sie darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Suppe einfach nicht so gut waere wie die bei ihren Freunden. Da sagte sie nur ganz cool, das wisse sie schon, aber ihr wuerde ein Geweurz fehlen. Was fuer ein Gewuerz? Das muessten wir halt beim naechsten Urlaub mitnehmen. Nein, sagte sie, das geht nicht. Warum? Tja, sagte meine Frau, die wuerzen ihre Suppen immer mit Canabis und das duerften wir doch nicht ueber die Grenze bringen, oder?

 

So ist mir erst viele Jahre spaeter klar geworden warum diese Abende bei den Freunden immer so besonders lustig und nett gewesen waren. Zumal ausgerechnet dort weniger Alkohol getrunken wurde als sonst wo. Man lernt also niemals aus.

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Umzug nach Dunkelthailand

 

Kurz bevor meine Buben wieder zurueck in die Schule nach Deutschland mussten, wurde mein Maedel ein Nachbarhaus im Dorf zum Kauf angeboten. Mensch war die gleich Feuer und Flamme fuer diese Bruchbude. Wobei so ganz abgeneigt war ich ja auch nicht. Aber was sollten wir mit einer Huette im Isan? Noch lebten wir ja auf Phuket. Und da hatte ich gerade ein paar ganz ernsthafte Gespraeche mit einem Freund der einen Grosshandel fuer Tauchsportausruestungen hatte. Da wollte ich einsteigen, denn irgendwann musste ich mir meinen Unterhalt ja auch wieder verdienen. Zu dieser Zeit hatte ich bereits weit ueber 2 Jahre schon nicht mehr richtig gearbeitet und meine Kohle wurde erschreckend schnell weniger.

 

So bin ich dann schliesslich alleine nach Phuket gefahren, habe zwischendrin noch die Buben in Bangkok am Airport abgeliefert und wollte abklaeren ob's was wird mit dem Einstieg in den Laden. Wir waren uns dann eigentlich einig. Nur mein Restvermoegen (klingt viel, war es aber leider nicht mehr) reichte dazu allein nicht aus. Ich kontaktierte meinen Vater nach einem Darlehen, aber der konnte sich gar nicht vorstellen, dass sowas was werden koennte und verweigerte sich schlichthin. Mensch war ich damals sauer. Andererseits konnte ich ihn schon auch irgendwie verstehen. Dem offensichtlich verwirrten Sohn, weit weg in Asien doch eine betraechtliche Menge Geld zu leihen fuer etwas was man sowieso nicht kannte. Ich haette es vermutlich auch nicht gemacht. Aber heute ist der Laden der groesste Tauchsportausruester in Suedostasien und macht so richtig fett Kohle damit. Aber was soll's? Auf alle Faelle waren meine Plaene vielleicht doch dauerhaft in Thailand leben zu koennen damit endgueltig geplatzt.

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Was sollte ich also noch auf Phuket? Gut, rumturnen wie ein Touri ist ja zeitweilig ganz lustig. Aber irgendwann ist auch dieses zuende und dieses Ende war eindeutig abzusehen. So loeste ich unseren Haushalt auf Phuket auf, schickte das ganze Inventar in den Isan und fuhr nach ein paar Tagen intensiven Abschiedes aus der Nightlifszene Phukets wieder "nach Hause" in den Isan zu meinem Maedel.

Die Huette war wie nicht anders zu erwarten nach wie vor zu verkaufen und ich dachte mir, Mensch tu dem Maedel noch was gutes und kauf sie. Koennen wir ein bisschen ausbauen und dann hat sie was, wo sie immer wieder hin kann. Egal was in der Zukunft passiert. Ich war ja auch schon ueber 40 und hatte keine Ahnung ob ich in Europa wieder auf die Fuesse kommen wuerde. Keine Wohung, kein Auto und vor allem auch kein Job mehr. Denn eins war mir voellig klar. Zum Geldverdienen musste ich ueber kurz oder lang wieder zurueck.

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So kaufte ich meinem Maedel eben diese Huette. Ein besonderes Primborium. Abgelaufen ist es naemlich so, dass ein Termin frueh morgens (wann sonst im Isan??) ausgemacht wurde, wo dann auch der Buergermeister dazu kam. Der hatte so einen Vordruck dabei und der wurde sorgfaeltig ausgefuellt. Dann gab's nochmal eine laengere Diskussion ueber's Geld, wobei ja doch schon laengst alles ausgehandelt war und als das dann auch klar war und die Summe eingetragen war musste einer los und was wohl? Klar eine Flasche mach-mich-blind-Schnaps war faellig. Und noch eine und dann unterzeichneten alle, auch der Buergermeister als Zeuge und die Kohle wurde uebergeben. Tja, da sassen wir dann in unserer neuen (uralten), mehr oder minder baufaelligen Huette.

 

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Zuerst war noch nix mit ausbauen etc. denn es war gerade Erntezeit. Der Reis war schon eingebracht, aber das Zuckerrohr musste geschnitten werden. Waehrend der Reisernte war ich ja noch auf Phuket aber beim Zuckerrohrschneiden wollte ich wenigstens Alibimaessig mal etwas mitmachen. Man muss sich das vorstellen. Man steht da mitten auf so einem Feld mit einer Machete in der Hand und kappt moeglichst tief so einen Zuckerrohrstengel was natuerlich nur gebueckt geht. Dann schlaegt man die Blaetter ab und und kuerzt die Spitze. Die Dinger sind locker 3-4 m lang. Daraufhin legt man immer 10 Stangen aufeinander und bindet sie mit den Blaettern zusammen. Eine gute Arbeiterin verdient mit diesem Knochenjob unter sengender Sonne so ungefaehr 150 - 200 Baht pro Tag. Bei einer Arbeitszeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Will mir da noch einer erzaehlen die Thai's waeren alle nur faul? Ich habe es fast einen Tag lang durchgehalten und das obwohl ich zu dieser Zeit noch wirklich gut durchtrainiert war. Am naechsten Tag kam ich nicht einmal mehr von meiner Matraze runter. Mein Maedel hat sich fast totgelacht ueber den empfindlichen Farang.


Trotzdem holte sie mir dann einen Masseur. Im Isan machen das in aller Regel keine Frauen, sondern zumeist Blinde die in besonderen Schulen dazu ausgebildet werden. Was der dann mit mir fabrizierte, relativiert alles was ich bis dahin von der "traditionellen thailaendischen Massage" wusste. Das war ja sowas von brutal und wenn mir vorher alles vom Zuckerrohrschneiden weh tat, dann anschliessend doppelt von dem seiner Massage. Zumindest anfangs. Am Nachmittag wurde es dann aber doch besser. Abends kamen mal wieder alle Freunde und Verwandte vorbei um dem von einem Tag kaputten Farang zu verarschen. Mit dem ueblichen Sit-in natuerlich

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Wenn man sich so Abends trifft mit Freunden und Bekannten, dann geht das in aller Regel trotzdem nicht bis in den fruehen Morgen. Spaetestens um 1/2 6 geht naemlich zumeist die Lautsprecheranlage im Dorf los. Da erzaehlt dann immer so ein besonderer Typ was alles so los ist und war im Dorf, sozusagen die gesprochene Zeitung im Dorf. Hin und wieder geht's auch darum, dass der Big Boss vom Dorf festgestellt hat, das Dorf ist schmutzig. Und heute ist der Tag es zu reinigen. Schmutzig ist ja ein relativer Begriff. Thai's halten in aller Regel ihren Fussboden im Haus peinlich genau sauber. Spielt sich ja auch das gesamte Leben auf diesem Fussboden ab. Da sitzt man, da isst man und da schlaeft man ggf. auch. Alles andere verstaubt und verdreckt ohne Ende, aber der Fussboden der muss sauber sein. Und wenn so ein Big Boss meint, das Dorf wird heute geputzt, dann sieht das so aus, dass jeder mit einem Besen rumlaueft um die 100 Millionen Plastiktueten zusammen zu kehren und dann zu entsorgen. Soviel moderne Welt gibt es sogar im tiefsten Isan. Plastiktueten ohne Ende. Fast schon ein Synonym fuer Thailand wie die huebschen Maedchen. Und jeder laesst die nach Gebrauch fallen wo er gerade steht oder geht.

 

Uebrigens, die Entsorgung sieht dann so aus, dass die ganzen zusammen gekehrten Haufen angezuendet werden. An diesen Tagen habe ich zumeist lieber weniger gegessen. Denn der Geruch der da einen Tag lang ueber dem Dorf liegt erinnert verflucht intensiv an irgendwelche PCB's etc.

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Feiern & wie baut man ein Haus?

 

Im Januar wenn das letzte Zuckerrohr geerntet ist, die Trockenzeit richtig zuschlaegt, dann haben die Leute wieder mehr Zeit. Dann wird Haus gebaut oder aber es findet eines der beruehmt beruechtigten Konzerte statt.

 

Diese Isan-Musik-Konzerte veranstaltet praktisch jedes Dorf, mindestens einmal pro Jahr. Das geht so, dass man eine Truppe von Musikern, Taenzerinnen komplett mit Buehne ordert und dann kommt nicht nur das eigene Dorf, sondern alle drum herum liegende Doerfer in Voelkerwanderungen zu so einem Ereignis. Die Buehnen sind meist so gigantisch, dass sich selbst die Rolling Stones darauf verlaufen wuerden. Die Lautsprechertuerme erwecken den Anschein als sollte der gesamte Isan damit beschallt werden.

 

Nur, seltsamerweise, das Ergebnis was da raus kommt ist oft von so minderwertiger Qualitaet, dass ich annehme, dass das Motto “Quantitaet vor Qualitaet” wohl im Isan erfunden wurde. Die Musik selber ist ja schon nicht unbedingt einfach zu ertragen. Dazu dann noch in gigantischer Lautstaerke und uebelsten Begleitgeraeuschen, das ist hart. Insbesondere wenn man weiss, dass diese Konzerte von 9.00 Uhr abens bis 6.00 Uhr morgens gehen. Ein Erlebnis ist es trotzdem, zumindest zeitweise. Selbst die uebelste Truppe hat immer noch mindestens 100 Taenzerinnen dabei die sich mehr oder minder mit herrlichen Federkostuemen relativ gleichzeitig drehen. Mal in blau und links herum und dann wieder in rot rechts herum und das stundenlang. Fuer den der's mag, das hoechste. Boese Zungen sollen nach mehreren Konzertbesuchen schon behauptet haben, das waere der Beweis, dass Thai's vielleicht nur begrenzt lernfaehig waeren, aber unbegrenzt dressierfaehig. Davon distanziere ich mich natuerlich. War ja auch schon lange nicht mehr auf so einer Veranstaltung. Und, ich muss es zugeben, trotz mehrfachen Trainings habe ich es noch nie laenger als max. 5 Stunden am Stueck ausgehalten. Da es aber viele Doerfer rund um das eigene Dorf gibt, gibt es pro Woche bis Song Khran auch mindestens ein oder zwei dieser tollen Veranstaltungen.

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Es kommt naemlich bei diesen Konzerten noch eins dazu. Als Farang ist man bei solchen Festivitaeten ein vielbestaunter Affe. "Ui, Farang" und alle starren einen an, als waere man der erste Weisse den sie zu Gesicht bekommen. Das ist uebrigens im Isan fast ueberall ein Problem wenn man aus seinem Dorf raus kommt wo sich wenigstens die Erwachsenen an diesen Anblick schon gewoehnt haben (es gibt in meinem Dorf immer noch kleine Kinder die laut plaerrend weg laufen wenn ich ihnen entgegen komme). Man ist wie im Zoo ein vielbestauntes Tier. Das nervt, wenn man in irgendeinem Dorf anhaelt um eine Suppe zu essen oder sonst was will. Den Leuten faellt manchmal buchstaeblich der Loeffel aus der Hand. Besonders falls man alleine ohne Begleitung unterwegs ist.

 

Und wie schon erwaehnt, in dieser Zeit baut man seine Haeuser. Wir hatten ja schon eine Huette und wollten diese urspruenglich eigentlich nur vorm umfallen etwas schuetzen. Es hat sich aber dann schnell heraus gestellt, dass dies so nicht funktioniert. Wir mussten doch von Grund auf sanieren. Angefangen haben wir am Dach. Wo sonst? Damit sich das Ding nicht wahnsinnig heiss auflaedt, haben wir unter dem Blechdach als erstes eine Zwischendecke eingezogen. Ich hatte natuerlich sofort eine Wasserwaage gekauft damit diese auch einigermassen waagerecht hinein kommt. Mensch, haben die gelacht als ich damit ankam. Da standen nun mein Schwiegervater und seine Freunde und begannen erstmals zu ratschen. Dazu was sonst? Eine Flasche mach-mich-blind-Schnaps. Diese "Beratung" dauerte fast 5 Stunden. Was die ausdiskutiert haben? Wie sie was halbwegs waagerecht reinbringen. Und ehrlich, ohne Wasserwaage oder sonst einem Hilfsmittel haben die die ausdiskutierte Decke auch ziemlich waagerecht rein gebracht. Ein anderes Team hat dann spaeter Waende fuer die Zimmer gebaut. Die haben wohl das ganze nicht so ausfuehrlich ausdiskutiert, denn diese Waende stehen alles andere als senkrecht in dem Haus.

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Mir war es wichtig fuer die Arbeiten ausschliesslich Leute aus dem Dorf zu haben. Da waren viele aus Bangkok ohne Job da und die waren froh was machen zu duerfen. Manche haben sich wirklich einfach nur aufgedraengt und haben fuer eine Brotzeit pro Tag mit angepackt. Mir war das peinlich, aber mein Maedel meinte, das wuerde die Leute beleidigen wenn ich ihnen doch noch ein paar Baht zustecken wuerde. Wobei ich das noch nie erlebt habe, dass ein Thai beleidigt gewesen waere wenn man ihm Geld gibt. Aber im Isan mag halt vieles anders sein. Nur um Missverstaendnisse zu vermeiden, die Leute die wir angeheuert hatten, die haben wir auch bezahlt.

 

Im Erdgeschoss hatte diese Huette einen ummauerten Bereich und die Waende wollte ich nutzen um meine Ideen von einem Wohnen zu verwirklichen wo sich drinnen & draussen harmonisch ohne Uebergang ergaenzen. Leider war es dann aber so, dass die Leute feststellten, dass die Holzpfosten auf denen das Haus stand von Termiten im Erdbereich voellig zerfressen waren. Da blieb nix anderes uebrig als diesen Bereich abzuschneiden, mit Zementpfaehlen zu verlaengern und in Beton zu stellen. Dazu musste man das Haus anheben und auf diesen Kruecken wieder hinstellen. Dummerweise musste ich an dem Tag als das gemacht wurde zu einem Visarun nach Laos. Ich hatte mich nur gewundert, dass das Team welches diese Arbeit machen sollte am Morgen mit nichts anderem als einem Wagenheber ankam. Als wir jedoch am naechsten Tag zurueck kamen, war alles erledigt. Das Haus stand nun  fest in seinem Betonfundament verankert. Leider haben die beim absetzen des Hauses dieses selbst um rund 30 cm nach links versetzt hingestellt und zu aendern war das definitiv nicht mehr. Normalerweise no problem, oder? Nur zu bloed, das die vorhandenen Mauern nun ploetzlich 30 cm im bzw. ausserhalb des Hauses standen.

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Das war einer der Tage an denen auch ich mich des voelligen Besaeufnisses hingab. Saufen, kotzen und wieder saufen. Voellig sinnfrei bis zur Besinnungslosigkeit. Leider muss ich so einen Schwachsinn immer wieder fuerchterlich buessen. Liegt das eigentlich am Alter?

 

Auf alle Faelle, diese letzten Mauern des alten Hauses konnte ich auch noch abreissen und gleich alles neu machen. Am Anfang waren meine Arbeiter voellig perplex, dass ich da auch Hand anlegte. Ein Haeuslebauer ist ja schliesslich ein reicher Mann und solche schaffen nur an und machen bestimmt nix selber. Es gibt aber Arbeiten die kann ein Thai nicht so richtig. Z.B. schrauben. Nageln, das koennen sie, das ist unglaublich. Die klettern an duennen Baumstaeben hoch, halten einen zweiten frei schwankend in 3 m Hoehe aneinander und haemmern diese einfach so zusammen. Ich kaeme a) nicht rauf, b) wuerde ich mich nie trauen mit einer Hand los zu lassen und c) wuerde ich so schwankend nie und nimmer einen Nagel treffen. Oder malern, das koennen sie auch nicht. Unter anderem sind solche Arbeiten den Leuten so derart fremd und daher ungeuebt, dass ich das lieber selbst gemacht habe.

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Ein anderes, besonderes Ding ist unser Brunnen. Wir haben zwar vom Dorf einen Wasseranschluss, aber dieses Brackwasser ist derart ungeniessbar, dass ich es nicht einmal zum duschen verwenden wollte. So liessen wir einen Brunnen graben. So weit wie moeglich vom Haus weg (ca. 40 m), damit das Wasser nicht von der Sickergrube der Toilette beeintraechtigt wird. Tja, die Thai's wissen sowas. Meine Frau hat mit dem Brunnenbauer oder besser Graber einen Fixpreis bis 20 m Tiefe vereinbart. 1.700 Baht. Werde ich niemals vergessen. Der kam mit einer kurzen Spitzhacke, einem Eimer und seiner Frau an und fing da wo meine Frau fand, dass der Brunnen hin sollte auch zu graben an. Und er grub und grub und grub und grub. So ein Brunnen hat vielleicht einen Durchmesser von 1 1/2 Meter und der grub sich senkrecht nach unten. 5m, 10 m, 15 m. Unglaublich Tag fuer Tag. Bei rund 15 Meter kam das erste Wasser und endlich war ein Ende dieser Straeflingsarbeit abzusehen. Trotzdem musste der noch 2 Tage weitergraben bis endlich genuegend Wasserstand erreicht war. Das waren noch 2 Tage in diesem Dreck da unten, unbeschreiblich. Aber mein Maedel meinte, der waere happy diesen gutbezahlten(!) Job gefunden zu haben.

 

Eine weitere Besonderheit beim Hausbau auf thailaendsich ist die Materialbeschaffung. Zum Beispiel fuer das ummauerte Erdgeschoss berechnete das Maurerteam wieviele Steine, Sand und Zement sie braeuchten. Wir dann los getigert und beim Haendler, 2 Stunden entfernt, gekauft. Der hat dann alles binnen weniger Stunden geliefert. Als rund 1/3 der Arbeit gemacht war, waren aber weder Steine, noch Zement oder Sand uebrig. Da es damals noch fast keine Handys gab und man nicht so einfach bei dem Haendler anrufen konnte “schick mal nochmals eine Fuhre”, bedeutete das jedesmal wieder 2 Stunden hinfahren, 1/2 Stunde ueber den Preis diskutieren und wieder 2 Stunden zurueckfahren. Effizienz schaut anderes aus. Ich weiss. Aber sowas interessiert im Isan niemanden. Naegel vergessen? Wiegesagt, 2 Stunden hinfahren........

 

Ich koennte jetzt noch seitenweise weiter schreiben wie das alles gelaufen ist. In der Zeit die wir brauchten um ein bewohnbares Haus aus der Huette zu machen, da stellen die hier einen Wolkenkratzer hin. Nur was soll ich mit einem Wolkenkratzer im Isan wollen? Letztendlich ist ja doch ein ganz nettes Haus daraus geworden, das sich von der Architektur nicht zu sehr vom Rest des Dorfes isoliert. Also nicht unbedingt so ein typisches Farang-Protz-Haus. Voellig ohne AC und sonstigen ueberfluessigen Schnickschnack. Viel uebrig geblieben ist von der urspruenglichen Huette trotzdem nicht. Ich weiss nicht mehr genau was das alles zusammen gekostet hat. Aber ich glaube mich erinnern zu koennen, dass es incl. Kaufkosten einiges unter 10.000 Euro geblieben ist.

 

Als sich unsere Huette so langsam doch der Fertigstellung naeherte, hatten unsere Fenster groesstenteils nach wie vor kein Glas und auch die grossen Fenster und der Schiebetuerenkombination zur Terasse hin fehlte auch noch voellig. Irgendwie konnte mir mein Maedel auch nicht erklaeren wo man sowas kriegen koennte. Sie sagte immer nur so vieldeutig "das kommt schon". Logisch, habe ich mir gedacht, hoffentlich faellt's nicht ploetzlich vom Himmel, denn dann waer's auch gleich wieder kaputt. Aber es war ja noch genuegend anderes zu erledigen und regnen tut's im Maerz auch nur sehr selten.

 

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Kurzum in Thailand, sprich im Isan fallen die Glaeser tatsaechlich nicht so einfach vom Himmel, aber da fahren immer welche mit ihren Pickups durch die Gegend und werfen in jedem Dorf den Lautsprecher an mit der Durchsage wer ein Fensterglas braucht, sollte sich nun bei ihm melden. Klar, der oder die waren bestimmt schon oefters auch durch unser Dorf mit diesen Durchsagen gekommen. Genauso wie Hundefaenger, Obsthaendler und und und. Nur verstanden was die eigentlich wollen hatte ich noch nie. Warum sollte ich auch darauf achten, denn in aller Regel haben die nur Sachen die ich weder brauchte noch wollte. Aber da sieht man mal wieder wie das Leben an einem vorueberzieht wenn man die Sprache nicht (richtig) kann. Uebrigens die Beschaffung der Dachrinnen funktioniert nach dem gleichen Plan. Genauso von diesen grossen roten Zisternen und so manches mehr. Irgendwann kommt so einer schon mal vorbei. Man braucht eben nur Zeit. Und Zeit hat man Isan. Die kostet naemlich nix!

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So endgueltig fertig wurde das Haus im Maerz. Aber was waere ein Haus im Isan wenn es nicht standesgemaess eingeweiht werden wuerde? Ich denke mein Maedel hat locker 6 Wochen mit Familie und Freunden daran hingeplant. Da soll noch jemand behaupten, Thai's haetten keinen Plan. Naja, zumindest wenn es um's feiern geht, da haben sie immer einen Plan. Der wurde dann noch so abgestimmt, dass mein juengerer Sohn wieder zu den leicht verlaengerten Osterferien kommen konnte und dann kam endlich dieser grosse Tag (der Aeltere hatte vermutlich den Schock vom ersten Besuch irgendwie nicht so gut verdaut und ist lieber nicht mehr nach Khamloh gekommen).

 

Bereits am Vortag wurden Zelte und Baenke und Tische von weiss der Geier ueberall her auf unser Grundstueck geschleppt und aufgebaut. Jede Menge zusaetzliche Kochstellen eingerichtet (Fotos der sehr beweglichen Herde habe ich weiter oben ja schon beschrieben) und dass es soviel Geschirr in unserem Dorf geben wuerde, haette ich eigentlich nicht erwartet. Dies vor allem deshalb, da ich schon die Erfahrung machen durfte, dass Teller, Glaeser, Besteck schneller weg sind als man es beschaffen kann. Anfangs hatte ich ja den Verdacht die spuelen nicht ab, sondern benutzen es analog den Plastiktueten wie Einweg-Geschirr. Aber nix da, abgespuelt haben die immer und trotzdem oder vielleicht auch deshalb verschwand es staendig. Aber wer regt sich schon ueber solche Kleinigkeiten auf. Das mit dem verschwunden halben Schwein hatte mich damals viel staerker getroffen.

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Gekocht haben dann eine stattliche Anzahl von Frauen den ganzen Tag ueber. Alles untermalt mit laut plaerrender Musik und ersichtlich viel Sanuk bis zum spaeten Nachmittag. Als es dann langsam dunkel wurde, sammelten sich auf unserem Grundstueck mit Sicherheit auch schon ueber 200 Leute. Dass soviele Leute in unserem Dorf leben, sogar noch ein paar mehr, das war mir schon klar. Dass die aber alle auch auf unser Grunstueck passen, das war mir neu. Mein Sohn und ich verzogen uns lieber in ein hinteres Eck. Dann mit einiger Verspaetung kamen 9 Moenche in einer Prozession angetrabt. Das hatte sich etwas verzoegert, weil in unserem Dorf-Wat zu dieser Zeit keine 9 Moenche anwesend waren, sodass wir uns aus dem Wat des Nachbardorfes noch ein paar ausleihen mussten. Fuer diese waren dann auch die Zelte aufgebaut und soetwas wie Podeste errichtet. Zuerst wurden die Geschenke an die Moenche uebergeben. Ihr wisst schon diese organgenfarbigen Eimer die mit allem Neutzlichen ausgestattet sind. Von der Seife bis hin zu einer neuen Kutte. Dann musste natuerlich von allen noch die richtige Ehrerbietung dargebracht werden und der Singsang von denen undsoweiterundsofort. Bis dann der Obermufti tatsaechlich durch's Haus marschierte und dieses segnete. Da kam ich mir dann fast schon wieder vor als so ein bisschen in der katholischen Liturgie als der das Wasser verspritzte. Auf's Haus, auf die Leute, selbst auf mein Moped und Auto. Dann haben sie noch etliche Gluecksbaender um das ganze Haus gespannt und damit war der regligioese Teil des Festes auch schon wieder vorbei. Die Moenche verzogen sich zurueck in ihre Wats und das grosse Fressen konnte beginnen. Ueber die besonderen Spezialitaeten brauche ich ja nicht nochmal referieren.

Erstaunlicherweise verdrueckte sich die Mehrheit nach der Fuetterung dann doch und uebrig blieben eigentlich nur Familie und wirkliche Freunde die auch samt und sonders am Hausbau beteiligt waren. Diejenigen die ich vor dem Hausbau noch nicht kannte, wurden spaetestens waehrend der Bauphase zu meinen Freunden. Es wurde relativ viel getrunken und auch getanzt. Mein Maedel konnte es dann wirklich nicht lassen den Leuten mit mir als Partner zu zeigen wie man "farangmaessig" tanzt. Zu Bob Marley's Song "No woman, no cry", wobei sie daraus immer sinnigerweise machte "No Jogi, I cry, no money I die". Aber ich machte ihr den Gefallen und mich zum Affen mit dem Ergebnis, dass ich so ziemlich jede Frau aus dem Dorf im Arm hatte um mit ihr ein paar Schritte zu "tanzen". Mein Sohn hatte sich wohlweisslich bereits auf die Treppe verzogen und grinste mir schadenfroh von oben entgegen. Mein Gott, wie ich solche Auftritte hasse!

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Sitten & Gebraeuche

 

Wenn man denn einige Zeit in so einem Dorf lebt, dann passieren da hin und wieder Dinge die aus dem normalen Tageinundaus irgendwie heraus ragen. Zum Beispiel kann ich mich noch gut daran erinnern als wir die Frau von einem unserer Handwerker schon von weitem extrem laut jammern und schreien hoerten. Zuerst dachte ich ja, da waere was fuerchterliches passiert. Kind tot, Huette abgebrannt oder sonst ein existenzvernichtendes Ereignis waere geschehen. Denn normalerweise konnte man die nicht hoeren, soweit weg wohnten die. Ich fragte natuerlich sofort mein Maedel was denn da los sei, denn jeder im Dorf hoerte sofort auf zu arbeiten und lauschte dieser offensichtlich armen Frau. Mir kam es jedoch etwas seltsam vor, dass die meisten in meiner Umgebung etwas grinsten. Meine Frau winkte aber nur ab, wollte sie doch zuerst auch nur zuhoeren. Das zog sich aber dann locker 15 - 20 Minuten hin und da ich sowieso nichts verstand, hakte ich es zuerst mal wieder unter nie-zu-verstehendes-Thailand ab. Gegen Ende des lautstarken Vortrages gab es aber dann doch von etlichen die ersten Lacher und meine Frau konnte mir auch erklaeren um was es da ueberhaupt ging.

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Die Sache war naemlich die, dass der-sie-liebende- Ehegatte ihr einige Medikamente ueberreichte die sie nehmen sollte. Nur sie wusste nicht warum und wieso und ging mit diesen zur Krankenstation des Dorfes wo sie aufgeklaert wurde, dass diese gegen eine Geschlechtskrankheit waeren. Hatte ihr der-sie-liebende-Ehemann doch etwas mehr mitgebracht von seiner Mia Noi. Und diese ganze Geschichte hatte nun diese Frau im wahrsten Sinne des Wortes zur Belustigung aller quer durch's ganze Dorf gebruellt. Also ich weiss nicht, aber kann sich einer vorstellen, dass sich bei uns eine auf den Marktplatz stellt und sowas laut verkuendet? Meine Frau erklaerte mir, das waere die Rache der Frau an ihrem untreuen Mann gewesen weil er ihr da so eine Laus in den Pelz gesetzt haette. Naja, andere Laender, andere Sitten. Muss ja nicht immer alles verstehen.

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Aehnlich erging es mir, als ich zu unserem Nachbarn gerufen wurde. Seine Tochter war naemlich vom Teufel, oder zumindest von boesen Geistern befallen und schrie hysterisch und schon schweissdurchtraenkt vor sich hin. Und damit das aufhoert wurden die kundigen alten Maenner aus dem Dorf geholt um dem Maedel die boesen Geister wieder auszutreiben. Doch die Thai's waeren nicht die Thai's wenn sie sowas nicht ohne den gewissen Sanuk erledigen wuerden. Da lag also das Maedel und schrie sich wirklich hysterisch die Seele aus dem Leib, aber die alten Maenner fingen einfach nicht an. Bis mir einer bedeutete, bevor sie anfangen koennten wuerden sie noch einen Schluck von diesem mach-mich-blind-Schnaps benoetigen. Und weil ich ja der Farang waere.... Klar, diese 60 Baht war mir das Schauspiel wert. So wurde ein Kind los geschickt im Dorfladen mal wieder so eine Flasche zu holen um sie dann im Kreis rund um die nach vor plaerrende Frau niederzumachen. Als dann endlich die Zeremonie startete, war ich dann doch etwas enttaeuscht. Man zuendete zwar ein paar Raeucherstaebchen an, die alten Maenner murmelten unverstaendliche Zaubersprueche und mit nassen Zweigen wurde die Frau betroepfelt. Und nach keinen 5 Minuten hoerte diese Sirene doch einfach so auf. Ob die einfach nur nicht mehr konnte, oder aber der Zauber gewirkt hatte, das weiss ich bis heute nicht. Ich sah die Nachberin erst am naechsten Tag wieder. So als waere nichts gewesen. Wer weiss was da wirklich geschah. Auf alle Faelle gab es im Anschluss an diese Geistervertreibung gleich wieder eins der ueblichen Sit in auf unserer Terasse und es wurde noch ein feuchtfroehlicher Abend mit diesen wirklich schon steinalten Maennern aus unserem Dorf.

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Wer die Toechter des Isans in den Seebaedern Thailands und den einschlaegigen Bierbars kennenlernen durfte, der wuerde sich vielleicht auch ein bisschen wundern welch strenge Regeln ueber Sitte und Anstand im Isan selber herrschen. Klar, das hat sich zwischenzeitlich schon auch etwas geaendert, aber so grundlegende Vorstellungen ueber Sitte und Moral sind noch bis heute erhalten geblieben. Ich will das mal an einem Beispiel festmachen. Da hatte der 13jaehrige Sohn einer Schwester meines Maedels eine Mitschulerin in dieser fruehpubertaeren Phase seines Lebens nach der Schule auf dem Nachhauseweg an die Hand genommen. Also etwas was wir mehr als harmlos einstufen wuerden. Und so liefen diese Youngster eintraechtig nebeneinander nach Hause. Das blieb natuerlich im Dorf nicht verborgen, so wie dem Dorf sowieso nie irgendwas verborgen bleibt. Auf alle Faelle kurz darauf kam die ganze Sippe des Maedels zum Haus meines Schwiegervaters und ein grosses Palaver begann. Zuerst verstand ich mal wieder ueberhaupt nicht um was es da wirklich ging. Ich dachte schon die wuerden dem Buben vorwerfen er haette das Maedel vergewaltigt. Zumindest hoerten sich die Gespraechsfetzen die ich verstand so ungefaehr an. Aber nein, es ging wirklich nur um den Umstand dass die beiden Hand in Hand, vermutlich irgend so eine bloede Thai Soap aus dem TV immitierend, nach Hause gegangen waren. So etwas tut man naemlich nicht im Isan! Eine Frau oder Maedchen und noch dazu Jungfrau in aller Oeffentlichkeit zu betatschen. Frueher haette das vielleicht ein Huhn als Strafe gekostet. Heutzutage kostet sowas Geld! Und zum Bedauern meines Schwiegervaters sogar ziemlich viel, weil ich als Farang ja reich waere. Zuallererst konnte ich es gar nicht fassen. Ich hatte das Maedel doch gar nicht beruehrt! Ich kannte die nicht einmal. Ausserdem lange ich grundsaetzlich keine fremden Kinder an. Aber wie immer wieder: Andere Laender, andere Sitten. Gekostet hat der fruehpubertaere Spass meines angeheirateten Neffen dann letztendlich 500 Baht. Ich weiss, ein Shorttime in Pattaya ist auch nicht teurer und da ist schliesslich mehr als nur mit Haende beruehren und so. Das sollten sich jetzt uebrigens alle die mal merken, die immer jammern, die Maedels in Pattaya waeren so teuer geworden!

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Ich habe dann noch erfahren, dass solche Vergehen oder gar ein Kuss oder sowas ziemlich teuer werden kann fuer die Familie der unkeuschen Knaben. Zumindest wenn die sich erwischen lassen bei so unzuechtigen Tun.

 

Ein staendig wiederkehrendes Thema sind ja insbesondere wenn ein Farang eine Isan-Schoene ehelichen will die Zahlungen an die Familie der Braut. Mir erscheint es ja oft so, als wuerde diese uralte Tradition irgendwie vergewaltigt werden um die Familie finanziell zu sanieren. Vielleicht sollte man sich mal vergegenwaertigen, dass zwar auch und immer noch ein Brautgeld vom Braeutigam an die Eltern gezahlt wird, aber in aller Regel bei weitem nicht die Summen welche da oft in den Raum gestellt werden.

 

Was und wieviel haengt in erster Linie vom Stand oder Rang der beteiligten Familien ab. Da ich in erster Linie unter ganz normalen, einfachen Bauern gelebt habe, waren die Unterschiede zwischen arm und noch aermer also relativ gering. Trotzdem hat die Tochter oder Sohn von der Kategorie "ganz arm" kaum eine Chance heiratstechnisch den Aufstieg in die bessere Kategorie “arm” zu schaffen. Man heiratet naemlich nicht irgeneine oder irgendeinen aus dieser Schicht darunter. Soviel zumindest in der Theorie und wie sich das so Eltern halt mal vorstellen. Dass sich sehr viele im Isan noch heute daran halten ist meines Erachtens dem engen gesellschaftlichen Leben in den Familien und Doerfern zuzuschreiben. Da auch nur ein bisschen anders zu sein erfodert schon eine gehoerige Portion Rueckenmark. Ich will es mal so umschreiben, dem staendigen Gezaenk und bitterboesen Anreden der Weiber einer Familie ausgesetzt zu sein kann schon arg heftig sein. Zumal es praktisch kein Entrinnen gibt. Wo sollten die oder der auch sonst tagtaeglich hin?

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Dazu kommt ,dass Maedchen sehr haeufig extrem jung heiraten. 14jaehrige, verheiratete Frauen mit Kindern auf dem Arm sind nicht selten. Ich dachte anfangs ja immer, die haben ihre Geschwister auf dem Arm, was ja auch vorkommen koennte. Aber viele dieser Maedchen waren wirklich schon die verheirateten Muetter. Meist mit Kerlen die auch noch kaum volljaehrig waren und meist mehr von irgendeinem Unsinn traeumten als sich als Familienvaeter zu gebaerden. Darum wundert es mich auch nicht mehr, wenn man blutjunge Maedels an den Bars der Seebaedern rumsitzen sieht. Mit 14 verheiratet, mit 17 geschieden und mit 20 spaetestens an einer Bar weil die oft gar nicht wissen wie sie sich und ihre Kinder sonst durch bringen sollten. Geschiedene oder verlassene Maedels mit Kindern haben fast nie nochmals eine zweite Chance. Ein gesellschaftliches Stigma sozusagen. Und wenn, dann muessen die Kinder aus frueheren Beziehungen entweder zurueckgelassen werden oder werden im Haushalt des neuen Mannes oftmals mehr als Haus- und Hofsklaven gehalten. Natuerlich gibt es auch den anderen Fall, dass die Frau abhaut und die Kinder einfach zurueck laesst. Fuer die Kinder bleibt dann meist nur das gleiche Schicksal. Denn der Mann wird sehr schnell eine andere Frau haben und mit der neue Kinder zeugen die dann eben viel wichtiger sind.
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Und genauso natuerlich, es gibt auch andere Zustaende im Isan. Aber nach allem was ich diesbezueglich gesehen habe, sind das absolut die Ausnahmen und keinesfalls die Regel. Das mag jetzt brutal klingen, was es auch ist. Doch diese Gesellschaft im Isan ist noch viel naturverbundener als wir Europaeer. Und die Natur ist nun mal brutal. Ohne Netz und doppelten Boden oder gar sozialer Absicherung.

 Aber zurueck zu den Brautgeldzahlungen. Einmal hatte ich das Vergnuegen so einer ganz offiziellen Brautwerbung beizuwohnen. Da wollte so ein Juengling die 17jaehrige Tochter unseres Nachbarn ehelichen. Kategorie “arm”. Er offensichtlich auch. Und um ehrlich zu sein, der Isan hat ja wirklich viele huebsche Toechter hervor gebracht wobei ich dieses Maedel aber nicht unbedingt dazu gezaehlt haette. Aber was wir fuer huebsch und schoen erachten, gilt wie so vieles andere eben nicht in Thailand und schon erst recht nicht im Isan.

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Leider kam dieser junge Bursche relativ schlecht vorbereitet ins Haus meines Nachbarn. Der Vater und Onkel des Buben erschienen mir ebenfalls aeussert verschuechtert zu sein und so sass man sich relativ lange und mit nur sehr stockender Unterhaltung gegenueber. Wobei mir nicht ganz klar war wie das nun weiter gehen sollte. Bis mein ebenfalls anwesender Schwiegervater auf die uebliche Idee mit dem mach-mich-blind-Schnaps kam. Schnell einer los gefetzt und schon war die Flasche da. Also ehrlich, wenn man dieses grausame Zeug in Massen geniest, loest er offensichtlich wirklich jedem die Zunge. Und so wurde aus der stockenden zu nichts fuehrenden Anti-Unterhaltung doch sowas wie eine Konversation wobei schnell klar wurde, was da geboten wurde reichte hoechstens fuer ein halbes Schwein aber bestimmt nicht fuer die ganze Tochter der Familie.

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Als dann gleich die zweite und dritte Flasche des beruechtigten Schnaps angebracht wurde, deutete mir mein Schwiegervater, ich solle nur von einer bestimmten Flasche trinken. Und man glaubt es kaum, da war nur Wasser drin. Die Braeutigam Familie dagegen bekam die volle Droehnung ab. Gut beschwippst liessen die sich dann auch prompt von 20.000 auf 150.000 Baht hoch handeln, dazu noch 2 Baht Gold fuer die Braut etc. pp. Gut bedient (alkoholtechnisch gesehen) und 4 Stunden spaeter verabschiedeten die sich dann unter dem Versprechen wahrscheinlich schon naechste Woche die Heirat ausrichten zu wollen. Gesehen habe ich den Kerl nie wieder und ob das Maedel zwischenzeitlich verheiratet ist weiss ich gar nicht einmal.

 

Als ich seinerzeit zurueck nach Europa musste und klar war, dass ich dann mein Maedel auch amtlich ehelichen muesste wenn ich weiterhin mit ihr in Europa leben wollen wuerde, kam natuerlich auch das Thema Brautgeld auf. Ich sah die Dollars schon blinken in den Augen meines Schwiegervaters, wobei ich bis heute nicht weiss, ob das seinem zweifellos grossem Humor oder wirklich eines erwarteten Geldstromes zu verdanken war. Auf alle Faelle machte ich ihm klar, dass es fuer Frauen in diesem fortgeschrittenen Alter (30), dazu noch mit 2 Kindern, also die Frau schon gebraucht war, rein gar nix gaebe. Dazu wuerden in Bayern die Familien der Braut eine Aussteuer geben. Da hat er mich ganz traurig angeschaut und gesagt, dass er das schon mal gehoert aber nicht geglaubt habe, dass die Frauen im Farangland nichts wert seien. Dass die bei uns aber anders als in Indien deshalb trotzdem nicht verbrannt werden, glaubte er mir dann schon. Ist ja selbst dort bekannt, dass wir alles moegliche durchfuettern.

 

Letztendlich haben wir ihm spaeter mal so einen gebrauchten Feld-Traktor geschenkt. Das heisst, offiziell uebergegen habe ich 100.000 Baht und hinten hat es meine Frau gleich wieder einkassiert und dieses Teil gekauft. Damit es nicht in irgendwas anderes, z.B. fluessiges umgesetzt wird. Und fuer das Selbstverstaendnis meiner Frau im Dorf war es eben auch wichtig.

 

Natuerlich sind dies allein meine Eindruecke und Erlebnisse aus “meinem” Dorf. Das mag in anderen Doerfern und mit anderen handelnden Personen ganz anders sein. Man darf auch nicht vergessen, ich hatte damals bereits fast ein Jahr mit der Familie gelebt und gelegentlich auch gearbeitet. Ich war also kein Fremder mehr von dem man nicht mehr wusste, als dass er aus einem Farangland kommt wo nur Milch und Honig fliessen. Die Dollars, Pfund oder damals DM wie heute Euros wie Aepfel an den Baeumen wachsen und all diesen Unsinn den die Leute im Isan groesstenteils wirklich glauben.

 

Vielleicht hat sich der eine oder andere schon gefragt, wie ich mich denn mit den Leuten verstaendigt habe. Ich muss zugeben, thailaendisch oder besser laotisch spreche ich zu meinem Leidwesen extrem schlecht. Wenn man allerdings eine Zeitlang mit diesen Leuten lebt, dann versteht man wenigstens mehr und mehr. Nicht jedes Wort und schon gar nicht die Feinheiten der Sprache die mindestens so kaprizioes wie das deutsche sind. Aber im grossen und ganzen erschliesst sich der Sinn insbesondere in Verbindung mit der Koerpersprache seines Gegenueber mit der Zeit mehr und mehr. Der naechste mir bekannte Farang lebte in Udon. Also 3-4 Autostunden weit weg und somit hatte ich ueber Monate ausschliesslich Kontakt mit den Einheimischen. Man glaubt gar nicht wieviel man schon allein aus der Koerpersprache rauslesen kann bevor der Gegenueber ueberhaupt den Mund auf macht. Ich glaube nach meinen Erfahrungen nach zumindest, dass dies moeglich ist wenn man sein Gegenueber etwas kennt und der kein vorsaetzlicher Betrueger ist. Nachdem ich einmal nach einigen Monaten am Stueck in Khamloh nach Bangkok kam, sind mir als erstes die vielen Farang am Flughafen ganz fremd aufgefallen. Da dachte ich mir dann auch, dass es vielleicht wirklich an der Zeit war mal wieder aus meinem Dorf rauszukommen.

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Jagen & Fischen

 

Mein Schwiegervater zum Beispiel ist Eigentuemer eines kleinen Teiches. Der wurde mit viel Manneskraft vor laengerer Zeit bereits am Rande eines zeitweise fliessenden Baches ausgehoben. Was mich erstaunte, man braucht dort nicht einmal irgendwelche Fische einsetzen, die kommen von ganz allein da rein. Keine Ahnung wie, denn einen direkten Zufluss hat dieser Teich naemlich nicht, aber so ist es halt mal. In diesem Teich wuerde ich zumindest nicht schwimmen wollen. Zuallererst sind stehende Gewaesser in dieser tropischen Umgebung ideale Brutstaetten fuer alle moeglichen Krankheitskeime. Zudem ist das Wasser derart braun und undurchsichtig, dass es auf mich schon immer etwas abschreckend gewirkt hat. Eines Tage nahm mich nun mein Schwiegervater nebst seinen Freunden dorthin mit zum fischen. Dazu nahmen sie ihre runden Wurfnetze, setzen sich an den Rand des Teiches und fingen an mit der Hand ganz leicht auf’s Wasser zu schlagen. Vermutlich schlagen jetzt alle mitteleuropaeischen Angler die Haende ueber dem Kopf zusammen und fragen sich warum es denn Sinn machen koennte die Fische zu verschrecken wenn man sie doch fangen will. Zumindest ich habe von den Anglern am Starnberger See gelernt, erstens Ruhe und zweitens Ruhe und drittens….

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Aber auch das ist halt anders im Isan. Da verschreckt man die Fische nicht, sondern macht die im Gegenteil neugierig. Sehen koennen die in der Drecksbruehe naemlich nichts und wenn da was auf’s Wasser klatscht, dann kommen die und wollen sehen ob’s da was zum fressen gibt. Tja, auch die Fische sind im Isan anders als bei uns! Sind die dann nahe genug heran gekommen, werfen die Fischer einfach ihre Netze drueber. Auch wenn’s der Angler vom Starnberger See nicht glauben duerfte, das funktioniert ganz gut. Zwischendrin haben die Maenner dann ein kleines Feuer neben dem See angezuendet und ich dachte mir denen ist vielleicht kalt weil sie immer ins Wasser mussten das Netz wieder einzuholen. Dann spalteten sie einen Bambus um daraus so eine Art Zange zu fertigen und in diese Zange wurden dann immer so ca. 3 frisch gefangene, noch lebende Fische eingespannt. Denen hat das natuerlich nicht gefallen. Erstens aus dem Wasser raus und zweitens dann so zusammen gequetscht zu werden. Wenn die aber gewusst haetten, dass ihr Schwanzschlagen, das heisst das einstellen dieser Bewegung der Indikator war um sie zu wenden ueber dem Feuer, dann haetten sie vermutlich gar nicht erst gewackelt. Die Maenner haben naemlich die noch lebenden Fische ueber dem Feuer gegrillt. Da war die eine Seite schon ganz braun, da haben die immer noch gelebt. Erstaunlich was so ein Isan Fisch alles aushaelt. Und wie gesagt, wenn sich nix mehr geruehrt hat, dann wurden sie umgesteckt, damit die andere Seite auch noch gegaart wird. Gut, mitteleuropaeische Tierschuetzer koennten jetzt in panisches Geschrei ausbrechen. Aber ehrlich, das sind eigentlich noch die diesbezueglich harmloseren Umgangsformen mit noch lebenden Essensmaterial.

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Waehrend das Fischen also tagsueber vonstatten geht, gehen die Isaner liebend gerne Nachts auf die Jagd. Zumindest in der Trockenzeit. Praktisch jeder Haushalt hat noch eine Flinte im Haus, wobei dieser Begriff Flinte nicht von ungefaehr kommt. Gewehr moechte man zu diesen altertuemlichen, fast 2 Meter langen Vorderlader auch nicht sagen. Ist auf alle Faelle ein witziges Bild wenn die ja relativ kurz geratenen Maenner mit diesen wesentlich laengeren Flinten abends immer losmarschieren. Auf dem Kopf haben sie dann immer noch so Stirnlampen, aehnlich wie wir das aus den Kohlegruben her kennen. Ich bin mal eine Nacht mitgegangen. Es war ernuechternd. Wir sind zwar wie die Indianer auf dem Kriegspfad durch das Unterholz gekrochen. Haben gespaeht bis zum geht nicht mehr, aber die ganze Nacht keinen einzigen Schuss abgefeuert. Es gab einfach rein gar nix auf was man haette schiessen koennen. Erst in der Morgendaemmerung hat dann mein Schwiegervater zwei schlafende so eine Art von Flughoernchen aus ihrem Baumloch gezogen. Die schauen ziemlich aehnlich aus wie unsere Eichhoernchen und waren pussierliche Tierchen. Die haben wir dann am fruehen Morgen als einzige “Beute” mit nach Hause gebracht. Das war mal Anfang Januar und da ist es morgens richtig saukalt im Isan. Da steht dann die ganze Familie in alles eingepackt was an Kleidung vorhanden ist vor dem Haus um kleine Feuer rum.

 

Auf alle Faelle mein Schwiegervater holte die beiden Flughoernchen raus. Die Kinder streichelten noch ganz lieb die kleinen pussierlichen Viecher. Dann nahm er sie am Schwanz und schneller als ich schauen konnte schlug er die beiden Flughoernchen auf einen grossen Stein. Ob die nun tot oder nur bewusstlos waren keine Ahnung. Auf alle Faelle haben die sich nicht mehr geruehrt. Die leblosen Koerper wurden dann kurz ins Feuer gehalten um sie anschliessend aehnlich wie bei einem Huhn zu rupfen. Anscheinend gehen die Haare besser raus wenn man diese etwas ansengt. Den Rest gab es dann zum Fruehstueck. Irgendwie hatte ich an diesem Tag trotz der naechtlichen Strapazen keinen Hunger mehr.

 

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Uralte Kultur

Bekanntlich geht man ja bei uns davon aus, dass sich sowas wie Kultur wie wir sie heute definieren im Nahen Osten, sprich zwischen Eurphrat und Tigris, ausgerechnet dem heutigen Irak zuerst entwickelt hat und dann den Weg unter anderem nach Europa und Asien gefunden haette. Zumindest schliessen das unsere Archeologen aus Funden dort.

 

Keine ½ Stunde von meinem arachaischen Dorf liegt wiederum ein Dorf das dem “meinen” doch ziemlich aehnelt. Das heisst Ban Chiang und vermutlich wuerde ich es nicht kennen, wenn man dort nicht auch ein paar alte Skelette und Gefaesse usw. ausgebuddelt haette. Lange Zeit erkannten die Leute nicht was sie da dauernd aus ihren Feldern raussortieren mussten. Bis mal angeblich ein amerikanischer Soldat diese laestigen alten Scherben usw. zu sehen bekam. Auf alle Faelle hat man festgestellt, diese Scherben etc. waren nicht nur alt sondern so alt, dass es sie nach unserer Kenntnis gar nicht haette geben duerfen. Denn die Kultur so wie wir sie kennen wurde ja bekanntlich ganz woanders “erfunden”. Vielleicht ist es auch der Grund, dass das was nicht sein darf auch nicht sein kann und deshalb wird dieses Ban Chiang irgendwie immer noch totgeschwiegen. Aber die damaligen Isaner hatten schon lange Zeit vor den Hochkulturen zwischen Euphrat und Tigris eine wesentlich hoeher entwickelte Kultur. Dass mein aelterer Sohn bei einem Besuch des Museums dort anmerkte, dass sich seit ueber 5.000 Jahren im Isan nicht sehr viel veraendert haette, stimmt auf der anderen Seite auch. Gut, aus den Strohdaechern wurden Blechdaecher und heute verwendet man Naegel zum Hausbau. Aber sonst? Ja, doch noch eins. Damals kreierten die Menschen dort wesentlich schoener verzierte Gefaesse als heute.

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Warum das so ist wie es ist, das weiss ich auch nicht. Ich nehme halt mal an, dass diese Kulturmenschen von vor ueber 5.000 Jahren einfach irgendwann mal komplett und damit auch ihr Wissen ausgeloescht wurden und danach alles wieder von vorne begann. Also im Prinzip auch nicht anders als bei uns wo das jahrtausende alte Wissen der Kelten und Germanen von den Christen schlichtweg auch vernichtet wurde und uns damit direkt ins finstere Mittelalter befoerderten. Ist ja schliesslich auch bei uns noch keine 1.000 Jahre her.

Die lieben Kinder oder es kommt immer anders als man denkt…

Zum Abschluss meiner Isan Geschichten will ich noch die Geschichte meiner aelteren (Stief-)Tocher erzaehlen. Sie mag alles andere als typisch fuer den Isan sein, aber doch ein Beleg dafuer, dass sich auch im Isan vieles aendert.

 

Eigentlich hatten wir ueberhaupt nicht vor die Toechter meines Maedels nach Europa zu holen. Wir hatten aber beide ursprueglich auch nicht wirklich vor dauerhaft in Europa zu bleiben und deshalb erschien es uns besser die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung und in einer intakten Grossfamilie zu belassen. Immerhin hatten sie schon einmal so einen Kulturschock erlebt als wir die Kinder zu uns nach Phuket holten.

 

Nicht bedacht hatten wir aber bei unserer Entscheidung, dass aus den kleinen Kindern, ganz schnell grosse Kinder werden. Und die haben von heute auf morgen ganz andere Ansprueche. Dazu aenderte sich das Umfeld in unserem Dorf gravierend. Drogen waren frueher zum Beispiel ueberhaupt kein Thema. Yaba etc. hatte aber auch von heute auf morgen den Weg in den tiefen Isan gefunden. Insbesondere diese Droge veraenderte das gesamte soziale Umfeld im Dorf. Mit der Droge kamen Kriminalitaet und Gewalt wie ich sie vorher dort nicht erlebt hatte. Und wenn man weit weg lebt, bestenfalls gerade mal einmal pro Jahr fuer sehr begrenzte Zeit dort hin kommt, faellt einem das auch nicht so besonders auf. Die paar Telefonate oder Briefe brachten es auch nicht fuer uns sichtbar auf den Tisch. Ich glaube ja insbesondere deshalb auch nicht, da Thai’s im allgemeinen ueber negative Dinge nicht besonders gerne sprechen und das lieber unter den Tisch fallen lassen. Wie auch immer, ich hatte zumindest nix gemerkt (boese Zungen behaupten das waere bei mir der Normalzustand!).

 

Richtig mitbekommen was da eigentlich los ist, haben wir es erst Jahre spaeter. Und zu diesem Zeitpunkt war uns aber auch schon klar, dass es mit dem schnellen zurueckkommen nix mehr werden wird. So beschlossen wir die beiden Maedels zuerst einmal fuer ein paar Monate, sozusagen auf Urlaub nach Deutschland zu holen um zu sehen ob wir hier zusammen leben koennten. Wir sind dann auch mit den notwendigen Papieren nach Hause um die Visa fuer die beiden zu machen. Nur die Sache war dann ploetzlich die Aeltere der beiden war weg. Einfach weg, durchgebrannt mit ihrem “Freund”. Wir waren perplex. Meine Frau ist da ja eine resulute. “Kehle durchschneiden” war wohl noch die humanste Toetungsart die sie ihrer Tochter angedeihen lassen wollte. Auf alle Faelle, statt der beiden Maedels machten wir die Visa nun fuer den Vater meiner Frau und die juengere Tochter, damals noch keine 10 Jahre alt, welche dann auch nach Deutschland kamen. Der Vater flog nach 2 Monaten wieder heim und das Maedel blieb da. Soviel auch gleich zum Thema, das geht nicht mit einem Schengen-Visum!

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Die aeltere Tocher hatte zwischenzeitlich ihren Lover geheiratet (buddhistisch natuerlich nur) und das ganz ohne Brautgeld oder sonstigen Traditionen. Schwanger war sie auch gleich und bekam einen Buben. Meine Frau beruhigte sich daraufhin auch wieder einigermassen, war sie doch nun schon Grossmutter (soviel auch zum Thema alle holen sich in Thailand ein williges, junges Maedel, nur ich habe –gluecklicherweise- eine Grossmutter!). Der Ehemann musste dann noch zum Militaer und um es abzukuerzen, kurz vor seiner Entlassung verstarb er dort. Warum hat man nie erfahren. Angeblich sei er abends ganz normal eingeschlafen und am morgen war er tot. Die Leiche wurde mit 5.000 Baht (in Worten fuenftausend) fuer eine Verbrennung nach Hause geschickt. Diese laecherlichen 5.000 Baht waren uebrigens auch die gesamte Versorgung die das thailaendische Millitaer der Witwe und dem Waisen angedeihen liess. Meine Frau konnte seinerzeit nicht nach Hause, da wir zwischenzeitlich nach England uebersiedelt waren und ihr Pass auf der britischen Immigration lag (uebrigens die haben 15 Monate gebraucht um einen einfachen Stempel in den Pass zu hauen). So bin ich dann alleine in unser Dorf um zu regeln was zu regeln war. Da stand sie nun 18 Jahre jung, Mutter eines Buben der gerade seine ersten Schritte machte und beide so richtig beschissen vom Leben.

 

Sie wohnte dann wieder in unserem Haus und wir unterstuetzten sie so gut es ging. Immer in der Hoffnung, dass sie vielleicht nochmals eine Chance kriegen wuerde. Die schien sich auch aufzutun als sie sich mit einem jungen Mann zusammen tat und mit dem nach Chonburi zum arbeiten ging. Der Bub blieb bei der Familie zurueck. Doch irgendwie war dieser nette, junge Mann dann ein solcher doch nicht wirklich, sodass das Maedel wenige Wochen spaeter richtiggehend wieder nach Hause fluechtete.

 

Sie wird, so der liebe Gott und die Immigartion hier endlich zustimmen zu uns nach UK kommen. Unter anderem deshalb bin ich auch schon auf der Suche nach einem groesseren Haus. Die Idee doch noch nach Europa zu kommen, stammte uebrigens nicht von uns. Sondern sie hat danach gefragt ob es nicht doch noch moeglich sei. Sie wird mir willkommen sein. Genauso wie es ihre Schwester schon seit Jahren bei mir ist. Auch wenn ich deshalb mal etwas laenger nicht mehr nach LOS kommen sollte. Aber man kann ja nicht immer alles haben.
 
© Autor J.O
Bilder J.O,Soi1,H.Pollmeier